Zu den Grotten von Zungri

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Geheimnisvolles versteckt sich nahe des kleinen Örtchens Zungri in Kalabrien. Als älteste bekannte Kultur, die sich autark entwickeln konnte, gibt es noch heute deren Überreste zu bestaunen.
Kleinstadt auf Bayzantinisch
Vielleicht a bissel mehr Holz hier und da, ein paar Teppiche vor den Fenstern und Eingängen und voila, Kleinstadt auf Byzantinisch.

Von Tropea kommend führt der Weg steil durch kleine Olivenhaine, über stoppelige Felder und zum Teil verlassene Höfe wieder hinauf in die Berge. Dort soll es, zumindest den Äußerungen einiger Einheimischer nach, Reste einer längst vergangenen Zivilisation geben. Der Sonne trotzend mache ich mich auf den Weg, auch wenn es heiß und ziemlich schattenlos ist. Geheimnisse hatten schon immer eine gewisse Anziehungskraft. Ihnen widerstehen konnte ich noch nie…

Die Ruinen bei Zungri

An den Hängen des mittelalterlichen Städtchens Zungri, auf einem Plateau des Monte Poro gelegen, wurden in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts dutzende, zum Teil tief in den Fels geschlagene, Höhlen entdeckt. Zwar heute touristisch erschlossen, sind sie aber genauso wie damals nur über einen steilen Weg zu erreichen. Eine ganze Kultur musste sich hier verschanzt und den Jahrhunderten getrotzt haben. Italienische Forscher fanden bei Ausgrabungen heraus, dass es sich hierbei um einen übrig gebliebenen Kulturkreis der griechischen Epoche handeln musste. Offenbar waren die einstigen Mönche vor den Römern oder den später folgenden Byzantinern in die Berge geflohen und hatten sich im Schutze der Felsen unbemerkt und ungesehen eine neue Bleibe, ein neues Kloster aufgebaut. Siehe auch: Ein kleiner Abriss kalabrischer Geschichte.

Dank eines Brunnens autark in der Wasserversorgung, konnte diese Kultur sich bis ins 11. Jahrhundert hinein an dieser Stelle behaupten. Das angebaute reichte wohl zur Selbstversorgung, für das Vieh gab es Ställe und an den Hängen genug zu fressen. Die Höhlen an sich besitzen fast alle entweder einen quadratischen oder viereckigen Grundriss und sind mittels Gängen miteinander verbunden. Kleinere Einkerbungen für Deckenbalken und in den Stein geschlagene Treppen lassen vermuten, dass eine Vielzahl von ihnen über eine zweite Etage verfügte. In die Wände geschlagene Nischen bewahrten Werkzeuge, Waren oder den angebeteten Heiligen, die Türen und Fenster mit Fellen behangen. So kann man sich auch heute noch vorstellen, wie die Mönche hier vor über tausend Jahren lebten.

Warum diese Kultur jedoch unterging bleibt ungeklärt. Irgendwann um das 12. Jhdt. herum wurden die Höhlen aufgegeben. Ungefähr zur gleichen Zeit, als das höher gelegene Zungri entstand. Vermutungen legen nahe, dass sie mit den neuen Siedlern in Kontakt kamen und somit ihre Abgeschiedenheit aufgaben. Ein kleines Museum am Eingang der Grotten beherbergt eine Vielzahl dort gefundener Gegenstände und klärt über das wahrscheinliche Leben der Höhlengemeinschaft auf. Aber auch hier, richtig wissen tut man es nicht, ein kleines Geheimnis bleibt es sehr wohl.

Geschrieben von

Sven Becker

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