Zum Kloster Chorin

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Auch im Winter ist das Brandenburger Gebiet „Schorfheide-Chorin“ ideal fürs Wandern geeignet. Gerade die Tour zum Kloster Chorin ist dabei ganz besonders.

Nein, ich bin normalerweise kein Winterwanderer. Aber das triste Grau der Großstadt, der ewige Schneefall und die Eintönigkeit städtischer Konsumgesellschaft treibt mich hinaus ins… nun, ins Grüne passt um diese Jahreszeit ja wohl nicht… sagen wir ins Blaue. Oder vielmehr Blauweiße. Während meine Mitstädter sich dem Kaufrausch eines verkaufsoffenen Sonntags hingeben, nutze ich das spärlich gesäte Tageslicht und erkunde eine Gegend, in der ich zwar schon des Öfteren unterwegs war, aber noch nie wandernd. Und was soll ich sagen: toll, toller, am tollsten.

Über diese ausgetretenen Pfade wandelt es sich nicht nur im Sommer gut.
Über diese ausgetretenen Pfade wandelt es sich nicht nur im Sommer gut.

Vom Bahnhof Chorin aus startet ein Wanderweg zur gleichnamigen Klosterruine. Da es bitterkalt ist, geschätzte 12 Grad unter null, bin ich weit und breit der Einzige. Blauer Himmel, weißer Boden, graubraune Bäume, diese Farben dominieren in recht eintöniger, aber beruhigender Weise das Bild. Der Schnee glitzert in der Sonne und ich muss schon nach wenigen Schritten feststellen, dass ich mich wohl doch zu leicht angezogen habe. Vielleicht noch ein zweites Paar Socken und überhaupt ein Paar Handschuhe wären wohl gar nicht so schlecht gewesen. Nun ja, ich bin halt keinen richtigen Winter mehr gewohnt. Aber was solls. Umkehren kommt nunmal nicht in Frage und nach zwei weiteren Kilometern merke ich den Schmerz schon gar nicht mehr. Auch wenn er sich krampfhaft die Wade hinauf bemüht. Einfach nicht daran denken. Verdrängung ist hier alles.

Caspar David Friedrich war einer meiner Lieblingsmaler. Aber nach Kloster Chorin hat es ihn nie verschlagen. Schade eigentlich.
Caspar David Friedrich war einer meiner Lieblingsmaler. Aber nach Kloster Chorin hat es ihn nie verschlagen. Schade eigentlich.

Gefühlte 500, tatsächlich aber nur 4 Kilometer später komme ich auch schon am Amtssee an. Dieser ist dem Kloster direkt vorgelagert und komplett zugefroren. Einen kurzen Augenblick überlege ich die Abkürzung über das eisige Nass zu nehmen, erinnere mich aber an Schauergeschichten meiner Kindheit, in denen unvorsichtige Kinder unter dem Eis ertranken und entscheide mich dann doch für den Weg rundherum. Der ist genau 2 Kilometer lang und eigentlich recht schön. Bis auf das Teilstück direkt an der Straße. Dort stunk es nämlich enorm. Oder stank, oder stinkte. Wie auch immer, da roch es. Komisch noch dazu.

Yepp. Von allen Seiten schick. Kann man nicht von allen behaupten.
Yepp. Von allen Seiten schick. Kann man nicht von allen behaupten.

Schön wenn sich Finger und Füße durch schmerzhaftes Kribbeln wieder beim Rest des Körpers anmelden.

Herrschaftszeiten! Was für ein Monstrum. Das Mönche aber auch immer auf solch kolossalen Ausmaße standen...
Herrschaftszeiten! Was für ein Monstrum. Das Mönche aber auch immer auf solch kolossalen Ausmaße standen…

Das Kloster, eigentlich nur noch eine Ruine, ist in seiner Größe mächtig und gewaltig. Quasi mächtig gewaltig. Schön anzuschauen obendrein, gerade mit dem vielen Schnee, Romantik pur. Am Hang ein paar Familien mit rodelnden Kindern. Ich beobachte sie eine Weile. Besonders: ein extra freches Gör, ungefähr 5 Jahre alt. Vom Vater zu sacht angestoßen schreit es beim Herunterrodeln laut: „Schneller! Schneller!“ Wieder am Berghang oben angekommen bittet es den Vater um noch mehr Geschwindigkeit. Einen Moment schau ich nicht hin, da liegt er auf halber Strecke schon neben dem Schlitten im Schnee und weint. Das war dann offensichtlich schnell genug.

Eisig wars. Bei knapp 12 Grad unter Null fror nicht nur dieser Bach...
Eisig wars. Bei knapp 12 Grad unter Null fror nicht nur dieser Bach…

Was soll ich sagen, der Rückweg ist auch schön. Naja, ist ja fast derselbe wie herzu. Aber noch viel schöner die abschließende Tasse Schokolade im warmen Restaurant. Schön wenn sich Finger und Füße durch schmerzhaftes Kribbeln wieder beim Rest des Körpers anmelden. Hatte ich ganz verdrängt, die gibt es ja auch noch. Herzlich willkommen im Verbund, jetzt bin ich endlich wieder ganz ich. Vielleicht werde ich ja doch noch zum Winterwanderer.

Geschrieben von

Sven Becker

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