Zum Hinteren Raubschloss

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Man könnte meinen, die Sächsische Schweiz sei, bevor Caspar David Friedrich oder andere Künstler der Romantik sie entdeckten, ein sich selbst überlassenes Naturparadies gewesen. Mitnichten. Erste urkundliche Erwähnungen führen nämlich bis ins 11. Jahrhundert zurück und belegen, dass das Elbsandsteingebirge seit jeher Bewohnern umliegender Dörfer Schutz vor Krieg oder Raubzügen bot. Die Schwedenlöcher in der Nähe der Bastei belegen dies zum Beispiel bis heute. Aber auch als Vorposten wichtiger Handelsrouten waren die Felsen strategisch wichtig. So auch der Winterstein. Die auf ihm befindliche Burg, die nur noch Ruine ist, war früher gefürchtet und bekannt. Als Hinteres Raubschloss taucht sie auch heute noch in zahlreichen Wanderkarten auf, trägt ihren Namen allerdings zu unrecht. Im Laufe der Geschichte war sie zwar vieles, aber nie ein Räuberversteck. Doch eins nach dem anderen…

Beuthefall – Winterstein – Kuhstall – Beuthefall (13km)
Wer den Beuthefall, die Zeughausstraße (die eigentlich keine Straße sondern ein Forstweg ist) und den Abzweig zum Winterstein hinter sich lässt, wird alsbald mit einem „eisernen“ Aufstieg auf den Felsen … naja … sagen wir mal… belohnt. Denn der Gipfel des Wintersteins ist nur durch enge Felsentritte und eine freistehende Eisenleiter zu erreichen. Ein wenig Höhentauglichkeit sollte man da schon mitbringen, denn diese erhebt sich bis auf 15 Meter über den Boden. Dafür wird der mühevolle Aufstieg dann aber doppelt belohnt. Zum Einen bietet der Gipfel einen wahrlich beeindruckenden Blick in das Hinterland des Elbsandsteingebirges, zum Anderen erlangt man auf dem hinteren Felsplateau geschichtliches Wissen aus allererster Hand. Die Mauerreste des einstigen Hauptgebäudes sind noch genauso vorhanden, wie Einkerbungen und Ausschlagungen im Stein, in denen angebrachte Holzbohlen dereinst Decken und Zäune trugen.

Und das schon seit Jahrhunderten. Eine erste urkundliche Erwähnung wurde dem Winterstein nämlich schon Mitte des 14. Jahrhunderts zu teil, als König Wenzel IV. aus Geldnot den mittlerweile auf dem Fels errichteten Verwaltungssitz nebst anderer (Königstein, Lilienstein und Sonnenstein) an einen gewissen Thimo von Colditz verkaufen musste. So ist das eben mit dem Adel. Da wird gemogelt und geschachert, und schon gehörste als einfacher Bürger nicht mehr zu Sachsen. Denn im Zuge der darauf folgenden Donaischen Fehde lagerten ab 1406 immer mal wieder die markmeißischen Besatzer, mal die Wettiner Böhmen. Erst mit dem endgültigen Verlassen der Burg um 1410 wurde sie geschliffen, verwahrloste und nie wieder aufgebaut. Denn der Wildenstein nebenan und sein darauf gestandenes gleichnamiges Schloss, lagen strategisch günstiger und erlangten dadurch eine größere Wichtigkeit. Heute kennt den Wildenstein kaum einer, dafür aber seinen Beinamen. Denn unter der Bezeichnung „Kuhstall“ ist er jedem Elbsandsteinwanderer ein Begriff. Allerdings ist das eine ganz andere Geschichte.

So viel sei jedoch, und so leid mir das auch tut, noch gesagt: Den Raubritter Recke vom Winterstein gab es nie. Er ist lediglich touristische Legende. Und das Raubschloss war nie eins. Auch die allseits gerühmte Handelsstraße zwischen der Elbe und Zittau – sofern es sie je gab – verlief nicht an ihm vorbei. Das alles wurde lediglich mit dem aufkeimenden Tourismus im 19. Jahrhundert erfunden, um Wanderer in die hintere Sächsische Schweiz zu locken. Und wie man an mir sieht, klappt das ja bisweilen auch.

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Wanderung rund um und auf die Tafelberge des Dreigestirns Papststein, Kleinhennersdorfer Stein und Gohrisch in der Sächsischen Schweiz. Gerade im Frühsommer mit abschließendem Sonnenuntergang ein absolutes Highlight.

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Blick von den Schrammsteinen ins böhmische Land

Lift auf die Schrammsteine

Mein guter Freund Royko war noch nie in der Sächsischen Schweiz. „Na das lässt sich ändern“ sagte ich. Am Ende ging es ihm wie allen anderen auch: er war verliebt. „In die Postkartenidylle des Elbsandsteins“ sagt er, der bisher nur in den Alpen und an der Amalfiküste unterwegs war und nun eines der „mystischsten und schönsten Gebirge Deutschlands“ kennengelernt hat. Das wiederum sagt die GEO.

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