Unterwegs im Harz – Teil 2

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An Tag 2 auf dem Harzer Hexensteig wird der Brocken erklommen und auf dem Goetheweg sinniert. Dabei führt uns der Weg von Schierke bis nach Torfhaus durch das Herzstück des Nationalparks.
Fernsichten rundherum gibt es auf dem Gipfel des Brocken. Und jede Menge Menschen.
Fernsichten rundherum gibt es auf dem Gipfel des Brocken. Und jede Menge Menschen.

Es hat geregnet. Die ganze Nacht. Doch als wir heute Morgen wach werden, schiebt sich die Sonne schon wieder über den Horizont und vertreibt die letzten Wolken. Ein leichter Nebel hängt noch tief in den Wäldern, wird sich aber im Tagesverlauf auch noch lichten. Somit dürfte einem weiteren Wandertag wohl nichts mehr im Wege stehen. Denn der heutige soll es ganz schön in sich haben. Über die Alte Bobbahn hinauf auf den Brocken, einmal drumherum und über den Goetheweg, der sich seine Pfade mit dem Harzer Hexenstieg teilt, soll es nach Torfhaus gehen. Insgesamt 17 Kilometer am Stück, bergauf und bergab. Geschichtlich interessant ist die Strecke obendrein, denn der Brocken diente dem allseits bekannten Goethe nicht nur als Wanderziel, sondern auch als einer der vielen Schauplätze in seinem Faust. Mystisches tut sich da auf.

Den Eckerlochstieg geht es steil bergauf.
Der Goetheweg durchs Goethemoor entlang der Brockenbahn. Letztere gab es zu Goethes Zeiten noch nicht, sonst trüge sie wahrscheinlich auch seinen Namen. Und das alles nur, weil er einmal hier lang gewandert war.
Der Goetheweg durchs Goethemoor entlang der Brockenbahn. Letztere gab es zu Goethes Zeiten noch nicht, sonst trüge sie wahrscheinlich auch seinen Namen. Und das alles nur, weil er einmal hier lang gewandert war.

Schierke – Brocken (1.141m) – Torfhaus (17km)

„Das Besondere an diesem Gipfel ist nicht seine Höhe, sondern sein hochalpines Klima“ klärt uns Jürgen, Ranger der Nationalparkverwaltung auf. Wir befinden uns, nach einer knackigen aber landschaftlich sehr beeindruckenden Wanderung über den Eckertalstieg, auf dem höchsten Berg des Harzes, dem 1.141m hohen Brocken. „Dieses besondere und nur hier anzutreffende Klima,“ führt er uns weiter um den Gipfel herum, „ermöglicht Pflanzen ein Wachstum, die normalerweise in höheren Lagen der Alpen oder in Nordskandinavien beheimatet sind.“ 

Wir staunen und begutachten im Brockengarten, der schon 1890 auf dem Gipfelplateau angelegt wurde, seltene Pflanzen wie Edelweiß, Habichtskraut und die Kleine Alpen-Kuhschelle. Die gedeiht normalerweise erst auf Höhe von 2.000 Metern, wie er uns versichert. Besonders angetan haben es ihm und damit auch uns allerdings die Flechten. „Keine andere Pflanze,“ führt er seine Ausführungen fort „geht so erfolgreich eine Symbiose ein, wie die Flechte.“ Über die Granitfelsen des Berges zu Massen verteilt, bestehen sie in der Mitte aus einem Pilz, der von einer Alge ummantelt und mit Nährstoffen versorgt wird. Sein Spezialgebiet wie wir später erfahren. Und so vergeht die Zeit fast wie im Fluge. Zwei Stunden werden wir mit Wissen überhäuft und mit seiner Liebe zur Natur angesteckt. Doch wir wollen weiter, wir wollen mehr.

Wegen herunterfallender Äste ist dieser Teil des Wanderwegs gesperrt und führt als kleiner Umweg durch den angrenzenden Wald. Als ob die Gefahr, dass inmitten eines Waldes keine Äste runterkommen, kleiner wäre.

Harzer Hexensteig

Und dann, um eine Erfahrung reicher: im Goethemoor sollte man lieber nicht vom Weg abweichen. Da alle im Brockenmassiv quellenden Flüsse ihren Ursprung in Moorgebieten haben, ist auch das nach dem Dichter benannte nass und modrig. Gruselgeschichten über in Sümpfen versunkenen Menschen fallen uns ein, Edgar Wallace hätte sicher seine wahre Freude an ihnen gehabt. So wagen wir uns nur kurz auf den feuchten Grund, der alsbald nachgibt. Ein neu angelegter Wanderweg entlang der Brockenbahn führt sicher und bequem daran vorbei.

In Torfhaus angekommen, ist der Himmel schon längst wieder zu- und neuerlicher Nebel aufgezogen. Das Wetter ändert sich schnell im Harz. Das wußte auch schon Jürgen, der Nationalpark-Ranger vom Brocken zu berichten. Angeblich an 300 Tagen im Jahr sei der Gipfel in – wie sagte er noch so schön – Watte gehüllt. Heute dürfte dann wohl einer von diesen sein. Wir jedoch sind heilfroh trocken an unserem heutigen Ziel angelangt zu sein, und beschließen den lehrreichen Tag im einzigen Gasthaus am Ort, der Bavaria-Alm. Urtypisch genießen wir Hax’n und Brezel im Niedersächsischen. Na, wenn wir heute schon mal hochalpin waren, können wir doch auch ortstypisch speisen. Wohlauf und bekomm’s, morgen geht es schließlich weiter. Weiter auf dem Hexenstieg, weiter in den Harz.

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