Unterwegs im Harz – Teil 3

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Am Tag 3 auf unserer Wanderung durch den Nordharz führt uns der Weg entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, über den Eckerstausee nach Bad Harzburg.

Das haben wir jetzt davon. Da ich die letzten beiden Tage wohl etwas zu oft über die viel zu warmen Temperaturen gemeckert habe, regnet es nun schon die ganze Nacht. Das Wetter heute Morgen: ein steter Wechsel zwischen leichtem Niesel und sintflutartigen Regenfällen. Na toll. Doch es hilft ja alles nichts, wir müssen weiter. Schließlich gibt es kein unpassendes Wetter sondern nur unpassende Kleidung. Und da haben wir vorgesorgt. Obwohl, wenn ich es mir recht überlege, das Wetter ist heute wirklich unpassend. Aber total.

Der Wanderweg windet sich immer entlang des Ufers und garantiert damit schönste Ausblicke. Selbst bei schlechtem Wetter.
Der Wanderweg windet sich immer entlang des Ufers und garantiert damit schönste Ausblicke. Selbst bei schlechtem Wetter.

Torfhaus – Eckertalsperre – Bad Harzburg (18km)

Über Rodellift und Schubenstein kreuzen wir wenig später die Pfade des Kaiserwegs, der schon 744 vom Heer des fränkischen Hausmeiers Pippin benutzt wurde. Klingt witzig, ist aber so. Vormals ein kleiner Pfad von Nord nach Süd, schrieb sich dieser Weg durch die erfolgreiche Flucht Heinrich IV. endgültig in die Annalen der Harzer Geschichtsbücher ein. Der musste nämlich aufgrund einer Auseinandersetzung mit dem Sachsenkönig in der Nacht vom 8. zum 9. August 1073 aus der Belagerung seiner Harzburg fliehen. Dabei nutzte er diesen alten Güter- und Handelsweg. Auch Heinrich der Löwe, Kaiser Otto IV. und Kaiser Friedrich II. lenkten ihre Schritte in den darauf folgenden Jahren entlang dieser Route, so dass wir heute auf wirklich historischen Pfaden wandern. An dieser Stelle danken wir unseren Vorfahren und erfreuen uns eines wirklich gut zu laufenden und breit angelegten Wanderwegs. So macht Wandern Spaß, selbst wenn eine Arche bei diesem Wetter von größerem Nutzen gewesen wäre. Denn immer noch und nach wie vor: es regnet unaufhörlich.

Übrigens ist auch ein Stinker-Käse nach diesem Gebirge benannt: Harzer Roller. Aber das hat der Harz echt nicht verdient…

Harzer Hexensteig 2012

Die nächste Station, auch von ganz besonderer Historie, ist die Talsperre des Eckerstausees. Die wurde bereits 1942 als eines der letzten Bauwerke der Nazi-Diktatur in Betrieb genommen und diente vornehmlich der Wasserversorgung von Braunschweig und Wolfsburg. In diesen Städten waren im Zweiten Weltkrieg große Teile der Rüstungsindustrie angesiedelt und die brauchten ganz dringend eines: Wasser. Heute werden zwar besagte Städte immer noch mit Trinkbarem aus diesem Stausee versorgt, aber zusätzlich wird durch den Wasserdurchfluss Strom gewonnen. Der Eckerstausee, ein Vorreiter umweltschonender Energiegewinnung und Wasserversorgung. Hurra! Das dachte sich auch die DDR und zog ihren Grenzverlauf mitten durch den Stausee und die Talsperre. Ein Grenzpfosten des Ost-Regimes ist noch immer in der Mitte des Staudamms zu bewundern, zu Zeiten des kalten Krieges natürlich mit Mauer und Stacheldraht liebevoll ergänzt.

Wie ein norwegischer Fjord gräbt sich das Ende des Eckerstausee's in die Landschaft hinein.

Über den Großen Burgberg nach Bad Harzburg

An Molkenhaus und Säperstelle vorbei gelangen wir zum Großen Burgberg, der früher tatsächlich eine solche auf seinem Gipfel trug. Dies war, und da bleiben wir dem Kaiserweg treu, eben jene Burg, von der Heinrich IV. im Alter von 22 Jahren floh. Wie wir hier vor Ort erfahren, wurde die Harzburg – wie schon eingangs erwähnt – aufgrund eines Missverständnisses zwischen Heinrich und den Sachsen von diesen kurzerhand belagert. Das bereitete dem jungen König offensichtlich Unbehagen. „Macht ihr mal, ich hau‘ dann ab“ waren wohl seine letzten Worte, bevor er durch einen Geheimgang verschwand. 

Doch es kam ganz anders. Die Burg hielt stand und die Sachsen mussten unverrichteter Dinge wieder abziehen. Denn eines war ganz gewiss, die Burg galt als uneinnehmbar. Was für ein Feigling. Obwohl: so ganz allein den weiten Weg durch das wilde und urtümliche Gebirge von Bad Harzburg bis nach Eschwege an der Werra, das im tiefsten Mittelalter, da gehört schon Mut dazu. War wahrscheinlich nicht unbedingt ein Krieger, der gute Heinrich, aber ganz bestimmt einer der ersten Wanderer im Harz. Hossa! Heute haben wir es aber auch mit der Geschichte.

Da liegt es, unser Tagesiel, Bad Harzburg. Idyllisch, schön und ... oha ... wo kommt denn die Sonne auf einmal her?
Da liegt es, unser Tagesiel, Bad Harzburg. Idyllisch, schön und ... oha ... wo kommt denn die Sonne auf einmal her?

Auf ein baldiges Wiedersehen im Harz

Jede noch so schöne Wanderung kommt irgendwann an ihr Ende. In Bad Harzburg angekommen lassen wir die letzten drei Tage nochmals Revue passieren. Als eines der ältesten Abbaugebiete verschiedener Erze, darf es nicht verwundern, dass der Harz und seine Wälder reich an Geschichte sind. Viele Kriege und Auseinandersetzungen wurden um dieses Gebirge geführt und hinterließen ihre Spuren. Weit vor Christus konnten erste Besiedelungen nachgewiesen werden, so dass sich auch der reiche Sagen- und Mythenschatz, der um dieses Gebirge rankt und von uns nicht einmal annähernd berührt wurde, erklärt. Und abschließend, weil eingangs in Frage gestellt: Nein, der Harz ist definitiv kein Mittelmeer. Dafür aber ein Mittelgebirge ganz besonderer Güte.

Geschrieben von

Sven Becker

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Winter an der Rappbodetalsperre

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