Auferstehung und Verfall rund um den Lilienstein

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Ein gemütlicher und abwechslungsreicher Wanderweg führt von Rathen über die Bastei und die Schwedenlöcher auf den Lilienstein und zum beschaulichen Ort Königstein. Ein Weg – vier besondere Highlights rund um den Lilienstein, von Verfall und Auferstehung geprägt.

In großen Schleifen windet sich das Wasser der Elbe durch die Landschaft und gibt eindrucksvolle Blicke frei.
In großen Schleifen windet sich das Wasser der Elbe durch die Landschaft und gibt eindrucksvolle Blicke frei.

Vom Kurort Rathen auf die Bastei, den Lilienstein nach Königstein (16km)

Kurort Rathen, 10 Uhr morgens. Royko und ich schlendern gemütlich vom Bahnhof in Richtung Elbfähre. Gerade als ich ihm die Schönheit der Bastei hoch über dem Fluss zeigen möchte, kommen meine Schritte arg ins Stocken. Vor lauter Menschen ist weder Fluss noch Fähre zu sehen. Geschätzte 1.000 von ihnen tummeln sich in zwei Schlangen. Die eine direkt zum Steg der Fähre, die andere zu einem kleinen Häuschen komplett aus Holz, in welchem die für die Fähre benötigten Tickets verkauft werden. Einzig der Sandstein überragt die Szenerie, die ich so in all den Jahren, die ich nun schon in die Sächsische Schweiz zum Wandern fahre, noch nicht erlebt habe. Kurz überlege ich umzukehren und die Wanderung im Nachbarort Wehlen zu starten. Jedoch kommt die nächste Bahn erst in ungefähr fünfzig Minuten und bis dahin sind wir wahrscheinlich auch schon übergesetzt. Mit Geduld starten wir in den Tag, genießen die am wolkenlosen Himmel stehende Sonne und lauschen dem Geräuschpegel, vergleichbar dem Treiben eines Jahrmarkts.

Königstein, Lilienstein, Pfaffenstein – von der Bastei aus sieht man sie alle
Königstein, Lilienstein, Pfaffenstein – von der Bastei aus sieht man sie alle
Bei schönem Wetter wird vermeintlich an jedem Felsen geklettert
Bei schönem Wetter wird vermeintlich an jedem Felsen geklettert

Eine knappe Stunde später können wir auf der anderen Flussseite angekommen endlich unsere Wanderung zur Bastei beginnen. „Wie auf einer Postkarte“ sagt Royko. „Schön! Aber irgendwie auch zu schön.“ wirft er noch hinterher als wir den Massen hinauf auf die Bastei folgen. Recht hat er. Der Kurort, gänzlich vom Strassenverkehr befreit, gleicht einem kitschigen Idyll. Die Häuser allesamt viel zu perfekt saniert, die Trödelstände reiner Touristennepp. Kurz hinter dem Hotel Amselgrundschlösschen führt der Weg steil in die Felsen. Zwar spenden Wald und Sandstein etwas Kühle und Schatten, doch der Geräuschpegel wird uns leider noch bis auf die Felsbrücke begleiten. Ich nehme mir vor, nie wieder an Feiertagen in die Sächsische Schweiz wandern zu gehen. Und wenn doch, dann bestimmt nicht zu den Highlights, die jeder noch so verzückte Tourist in Shorts und Badelatschen zu erklimmen versucht.

Bei gutem Wetter genießt nicht nur der Kletterer eine fabelhafte Aussicht. Auch der Wanderer.
Bei gutem Wetter genießt nicht nur der Kletterer eine fabelhafte Aussicht. Auch der Wanderer.

Unser Aufenthalt auf der Felsbrücke ist dann auch von kurzer Dauer. Einmal durch die Massen gequetscht, am Berghotel Bastei vorbei, wandern wir schnellen Schrittes weiter in Richtung Schwedenlöcher. Doch auch hier das gleiche Bild. Menschen über Menschen. Ruhe klingt irgendwie anders. Am Amselsee begegnen wir der nächsten Schlange. Da alle Ruderkähne bereits verliehen sind staut sich der Andrang nach Abwechslung zu Wasser.

Am Amselsee endete so manche meiner Wanderungen in der Kindheit. Sehr zum Ärger meiner Eltern.
Am Amselsee endete so manche meiner Wanderungen in der Kindheit. Sehr zum Ärger meiner Eltern.
Der Lilienstein wie ein Damen-Sommerhut – exponiert und schön.
Der Lilienstein wie ein Damen-Sommerhut – exponiert und schön.

Auf den Lilienstein

Erst als wir den Kurort entlang der Elbe in Richtung Lilienstein verlassen wird es etwas ruhiger und wir sind fortan allein unterwegs. Jetzt heißt es erst einmal durchatmen. Der etwas abseits gelegene Gasthof Rosengarten lädt mit seinem rustikalen Ambiente und einem fantastischen Ausblick zum Verweilen ein. Zwar etwas in die Jahre gekommen verströmt dieses Haus aber genau das, was in Rathen scheinbar nicht mehr zu finden ist: Authentizität. Schön, dass es in dieser künstlich geschaffenen Postkartenidylle so etwas noch gibt. Ein Hoch auf die Ursprünglichkeit, die allerdings bei den moderaten Preisen des Restaurants vermutlich mehr der mangelnden Finanzkraft zu verdanken ist, als dem Wunsch nach Natürlichkeit. Wie auch immer – die Bedienung ist mehr als freundlich und das Haus allein schon wegen der Aussicht eine Empfehlung wert.

Über Feld- und Waldwege führt der Weg von der Elbe hinauf auf den Lilienstein
Über Feld- und Waldwege führt der Weg von der Elbe hinauf auf den Lilienstein

Auf Waldwegen, über Forststraßen und Feldpfaden führt uns der Weg erst gemächlich, später steil auf den schönsten aller Tafelberge der Sächsischen Schweiz. Schon von Weitem thront der Lilienstein wie ein Monolith über der Landschaft. Den Aufstieg meistern wir mit Bravour, auch wenn ich einmal mehr feststellen muss, dass es um die Ausdauer meines Wanderfreunds besser bestellt ist als um meine eigene. Im siebten Stock ohne Fahrstuhl zu wohnen scheint dann wohl doch seine Vorteile zu haben – zumindest konditionell. Während ich noch die letzten Meter auf das Plateau hinauf hechle sitzt er schon beim Bier und genießt den Ausblick.

Blick in die Ferne – in den Süden – dort wo die Festung steht.
Blick in die Ferne – in den Süden – dort wo die Festung steht.
Bad Schandau in Richtung Schrammsteine
Bad Schandau in Richtung Schrammsteine

Mit der Felsbaude auf dem Lilienstein hat sich das gleichnamige Hotel am Fuße des Berges einen Zweitsitz aufgebaut, der mittlerweile sogar über einen Pool verfügt. Wer also Badeshorts und Handtuch dabei hat kann sich in 415 Meter Höhe wohlverdient abkühlen. Wir dagegen genießen den 360°-Panoramablick und sind erstaunt über die doch recht wenigen Besucher im Vergleich zum Ort heute Morgen. Ob es am recht knackigen Aufstieg oder an der etwas abseits gelegenen Position des Liliensteins liegt wage ich nicht abschließend zu beurteilen.

Zu Zeiten August des Starken noch imposanter weil ohne Wald. Aber auch im bewaldeten Zustand sehr sehenswert.
Zu Zeiten August des Starken noch imposanter weil ohne Wald. Aber auch im bewaldeten Zustand sehr sehenswert.

Wiederaufbau Königstein

Noch während die Sonne langsam dem Horizont entgegen zieht machen wir uns an den Abstieg in Richtung Königstein. Nur hin und wieder kommen uns Wanderer entgegen, die den Sonnenuntergang vom Felsplateau aus bestaunen wollen. Gerade im Frühling muss das ein unvergessliches Spektakel sein. Wir dagegen erfahren in Königstein den kompletten Kontrast zum viel zu aufgehübschten Rathen. Von den vielen Hochwassern der letzten Jahrzehnte geprägt, die gerade Königstein immer wieder mit voller Wucht getroffen haben, stehen viele der Häuser leer und sind seit Jahren dem Verfall preisgegeben. Irgendwie macht es mich traurig, dass gut fünf Kilometer Luftlinie entfernt sichtliche Dekadenz und Luxus eingezogen sind, während hier ein bezaubernder Ort verfällt. Wer eine Erklärung dafür hat darf sie mir gern schreiben. Mir fällt nämlich keine dazu ein.

Ein letzter Blick, bevor es wieder hinab zur Elbe nach Königstein geht
Ein letzter Blick, bevor es wieder hinab zur Elbe nach Königstein geht

Am Ende der heutigen Wanderung bleiben mein Wanderfreund Royko und ich etwas ambivalent zurück. Während Rathen, sicher ähnlich hart von den letztjährigen Hochwassern mitgenommen, jedes Mal wieder aufzustehen weiß, verfällt Königstein scheinbar zusehends. Zumindest der Teil der Stadt, der sich in unmittelbarer Wassernähe befindet. Von natur- und menschengemachter Auferstehung bis zu natur- und menschengemachtem Verfall – so dicht können Unterschiede auch in der Sächsischen Schweiz beieinander liegen.

Geschrieben von

Sven Becker

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Auf dem Pfaffenstein

Durch die Sächsische Schweiz – Malerweg Tag 4

Mit knapp 20 Kilometern reiht die vierte Etappe erneut ein Highlight ans nächste. Ist der steile Anstieg von der Stadt Königstein bis zum Pfaffenstein geschafft, dürfen direkt im Anschluss noch Pfaffen- und Papststein sowie der Gohrisch bezwungen werden. Sandstein par excellence.

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