Auf dem Rennsteig – Tag 1

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Es war der Stress der Großstadt, das Hektische in ihr - das Auslaugen der täglichen Arbeit - was uns nach einem Ziel suchen ließ, dem Ganzen zu entrinnen und wenigstens für ein paar Tage innere Ruhe zu finden. Nicht all zu weit, aber dennoch weit genug weg sollte es sein, möglichst günstig zu erreichen und das nötige Maß Erholung bieten. Was lag da näher als der Thüringer Wald? Knapp 400km von Berlin entfernt, lockte uns die Aussicht auf ein bisschen Einsamkeit. Übermüdet, verschlafen und von der langen Zugfahrt angespannt erreichten mein guter Freund Daniel und ich gegen Mittag endlich Steinbach am Wald. Die Tour konnte also beginnen.

Es war der Stress der Großstadt, das Hektische in ihr, das Auslaugen der täglichen Arbeit, was uns nach einem Ziel suchen ließ, dem Ganzen zu entrinnen und wenigstens für ein paar Tage innere Ruhe zu finden. Nicht all zu weit, aber dennoch weit genug weg sollte es sein, möglichst günstig zu erreichen und das nötige Maß Erholung bieten. Was lag da näher als der Rennsteig im Thüringer Wald? Knapp 400km von Berlin entfernt, lockte uns die Aussicht auf ein bisschen Einsamkeit. Übermüdet, verschlafen und von der langen Zugfahrt angespannt erreichten mein guter Freund Daniel und ich gegen Mittag endlich Steinbach am Wald. Die Tour konnte also beginnen.

Das Grüne Band und der Rennsteig
Vor nicht einmal 20 Jahren wurde hier noch scharf geschossen. Heute wandert es sich um so beschwingter. Ist doch die ehemalige innerdeutsche Grenze ein grünes Band unberührter Natur. Und das mitten in Deutschland.

Von Steinbach am Wald nach Neuhaus am Rennweg

Etwas missmutig, vielleicht auch des Wetters wegen ein wenig enttäuscht – Sonne wurde vorhergesagt, Nieselregen empfing uns – suchten wir am Bahnhof eine Ausschilderung zum Rennsteig vergeblich. Trotzdem machten wir uns einfach in eine uns passend erscheinende Richtung auf und siehe da, direkt am Obelisken, welcher 1850 errichtet wurde und die Wasserscheide zwischen Rhein und Elbe kennzeichnet, stießen wir auf ihn. Den Weg, den wir beabsichtigten, die nächsten Tage nur zum Schlafen zu verlassen. Im Markt am Ortsausgang bereicherten wir unsere Vorräte noch um etwas Obst und frisches Wasser, bevor es endlich abseits der Straße in den Wald ging. Gemächlich führte uns der Weg bergauf und schon nach wenigen Kilometern konnten wir unsere Regenjacken wieder im Rucksack verstauen.

Der Rote Turm
Der Rote Turm war vermutlich mal ein Jagd-Sammelplatz. Zumindest wenn man der Juncker`schen Beschreibung des Rennsteigs von 1703 Glauben schenken darf. Hier wurde also geträllert, gesoffen und zur Jagd geblasen… und später den Tieren der Garaus gemacht. Naja, andere finden Gefallen am Stricken…

Auch bei leichtem Regen wandert es sich gut. Es gibt schließlich kein unpassendes Wetter, nur unpassende Kleidung.

Mit dem Auftauchen der Sonne erhellte sich auch unser Gemüt und langsam begannen wir einen gemeinsamen Rhythmus nicht nur im Wandern, sondern auch in unseren Gesprächen zu finden. In Neuhaus angelangt spürten wir jedoch, dass nicht nur die gut 23 Kilometer des heutigen Tages, sondern auch das frühe Aufstehen ihre Spuren hinterlassen hatten. Der Körper schmerzte und die Beine wollten nicht mehr. Jeder weitere Schritt war eine kleine Qual. Jetzt nur noch Essen und dann endlich schlafen.

Ort im Tal
Nur hin und wieder führt der Weg durch kleine Ortschaften, die so gemütlich in den Tälern liegen, dass man am liebsten bei jedem einen kleinen Halt einlegen möchte. Aber dann braucht man vermutlich eine Woche länger.

Irrwege in Neuhaus am Rennsteig

Uns auf ein reichhaltiges Mahl freuend, kehrten wir in Neuhaus in die Pizzeria am Markt ein, nur um zu erfahren, dass diese bereits um 20 Uhr Küchenschluss hatte. „Ist halt noch Vorsaison“, sagte man uns. „Aber das Hotel eine Straße weiter bietet noch warme Speisen.“ Und richtig: Hier wurden wir mit den viel gepriesenen Thüringer Klößen verwöhnt, die in der Tat äußerst wohlschmeckend und verdammt lecker sind. Zu unserer Überraschung mussten wir jedoch auch feststellen, dass uns nicht nur jeder Schritt sondern komischerweise selbst das Kauen schwer fiel. Der Körper schien ausgelaugt. Hatten wir uns etwa mit dieser ersten Etappe zu viel zugemutet?

Idylle am Wegesrand
So liebe ich das Wandern. Ein gutes Gespräch, die Sonne scheint und die Natur zeigt sich von ihrer romantischsten Seite.

Kurzer Abriss der Geschichte zum Rennsteig

Erstmals findet der Rennsteig seine urkundliche Erwähnung im Jahre 1387 in einem Schmalkaldener Kaufbrief, in welchem er noch unter dem Namen Rynnestyg auftaucht. Schon damals besaß der Kammweg nicht nur eine historische Bedeutung als Grenzweg, sondern auch eine wirtschaftliche als Handelsweg. Seine Bedeutung wurde von vielen Persönlichkeiten des Mittelalters untermauert, wie etwa Martin Luther, der ihn 1530 bei seiner Wanderung nach Lehesten querte oder Kurfürst Johan der Beständige, auf seinem Weg zum Augsburger Reichstag.

Die Mareile
Die Mareile. So genannt das weiße R, welches den Rennsteig markiert und nach der Tochter eines Wirtes benannt wurde. Zwei Fragen stellen sich mir da: 1.) Wie kommt man überhaupt auf die Idee seine Tochter Mareile zu nennen und 2.) Wieso rennen die Leute auch heute noch 163km hinter diesem nur namentlich bekannten Weibsbild her? Muß ja wohl ein ganz heißer Feger gewesen sein…

Eine grundlegende Bedeutung erfuhr der Rennsteig jedoch als Botenweg. Immer wieder reisten die Kuriere aus dem Böhmisch-Sächsischen auf ihm in Richtung hessisches Land und umgekehrt. Christian Junker, ein hennebergischer Histograph, ist es allerdings, der mit seiner ersten Gesamtbeschreibung des Rennsteigs 1703 den Grundstein für eine touristische Erschließung legt. Ihm folgt gut 100 Jahre später der Topograph Julius von Plänkner mit seiner ersten, belegten Rennsteigwanderung von Blankenstein nach Hörschel. Damit festigt er den langsam aufkeimenden Tourismus im Thüringer Wald. Heute stellt der Rennsteig einen der wohl beliebtesten Kammwege dar, obwohl es mehrere solcher Art in Deutschland gibt. Keiner der anderen jedoch erlangte, vielleicht auch aufgrund der historischen Bedeutung, solche Anerkennung und Beliebtheit.

Geschrieben von

Sven Becker

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Die Wartburg

Auf dem Rennsteig – Tag 5

Dank moderner Medizin und einer ausgezeichnet verbrachten Nacht, waren meine Schmerzen im Knie fast gänzlich verschwunden, so dass Daniel und ich uns regelrecht auf die abschließende Etappe freuten. Schon über Nacht mußte es wohl geregnet haben, da die Wege feucht und mit Pfützen übersät waren. Trotzdem brachen wir nach einem reichhaltigen Frühstück in der Jugendherberge auf und stemmten uns mit aller Willenskraft in den nicht enden wollenden Regen, der erst gegen Mittag der Sonne wich. Das muß man dem Kammweg schon lassen: Hier wechselt das Wetter häufiger, wie manch anderer seine Unterhosen.

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Landschaft am Rennsteig

Auf dem Rennsteig – Tag 4

Und tatsächlich: am nächsten Morgen schmerzten die Knie nur noch ein wenig, die Sonne strahlte vom Himmel und ich stieg voller Zuversicht in meine Alpinstiefel, nur um nach wenigen Metern festzustellen, dass es vielleicht doch die falschen Schuhe waren. Also verabschiedete ich mich abermals von Daniel, der sich schon voller Ungeduld in Richtung Rennsteig aufmachen wollte und ging erneut in die Stadt, um mir in einem nahe gelegenen Sportgeschäft völlig überteuerte Wanderschuhe zu kaufen.

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