Auf dem spanischen Jakobsweg nach Pedrouzo

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Kurz vor Schluss wird es nochmal bergig. Santiago de Compostela will schließlich auch ein bißchen erkämpft werden. Die Zahl der Pilger mehrt, die Strecke zieht sich. Doch noch sind es ein paar Kilometer...

So langsam kommt bei mir ein wenig Wehmut auf. Morgen ist der ganze Spaß dann auch schon wieder vorbei. Ein wenig aber auch zum Glück. Denn ehrlich gesagt, ich will nicht mehr. Mir reicht es und heute habe ich – trotz neuer Blasen – nochmals mit 34 Kilometern eine ordentliches Stück Weg zurückgelegt. Und der war nicht mal sonderlich spannend. Dafür aber verdammt lang. Erst 17:00 Uhr kam ich in der Herberge von Pedrouzo an. Und das will was heißen. Denn ich bin froh, überhaupt angekommen zu sein…

Tradition und Moderne muss kein Wiederspruch sein.

Durch die Eukalyptuswälder Galiziens

Ich glaube, auch die Pilger aus vergangenen Jahrhunderten hatten es dann auf den letzten Kilometern doch etwas eiliger, denn kulturell ist hier nix mehr los. Sicher, hier und da ne kleine Kirche oder Kapelle, auch die Steinkreuze sind nett, aber im Vergleich zu den vorhergehenden Städten gestaltet sich dieser Teil des Weges wie ’ne tote Hose. Wäre nicht der Duft der Eukalyptuswälder und die vielen kleinen Weiler, wäre der Weg sogar langweilig. Dafür konnte ich ein letztes Mal die Gedanken frei laufen lassen, die Beine taten es ja sowieso von allein.

Komisch, wenn ich da mal kurz Revue passieren lasse, wie sich die letzten 4 Wochen gestaltet haben, welch emotionales Auf und Ab sich auf dem Weg bei mir abspielte… wie im richtigen Leben. Nur eben kompakter. Irgendwie ist der Camino wie ein Mikrokosmos. Aus dem Alltag herausgenommen ist endlich einmal Platz über die Kleinigkeiten des Lebens nachzudenken. In diesem werden manche Situationen aufgrund des höchstmöglichen Grades an persönlicher Funktionalität gar nicht mehr oder nur am Rande wahrgenommen und abends wundert man sich, warum man irgendwie scheisse drauf ist. Aber hier gibt es nichts, was ablenken könnte und der Weg ermöglicht es einem, darüber nachzudenken, zu reflektieren, sich dabei – manchmal auch ungewollt – selbst zu finden. Das ist vielleicht nicht die Antwort auf die Frage, mit der man gestartet ist, aber immerhin eine Möglichkeit, in Zukunft anders auf die Dinge zu reagieren. Dass das nicht immer gelingen wird, ist mir bewusst und vielleicht gibt es aus diesem Grunde auch so viele Junkies, die den Weg immer und immer wieder gehen, aber es ist eine Hoffnung.

Ankunft in Pedrouzo

Morgen dann also der Einmarsch der Gladiatoren. Wohl eher humpelnd. Aber erhobenen Hauptes. Zum Glück verfügt Pedrouzo über ein Internet-Cafe, in welchem ich mir dann auch gleich mal ein Hostel gebucht habe und somit die beiden nächsten Nächte gesichert sind. Na da kommt Freude auf. Endlich mal wieder ein Bett und einen Raum für mich allein. Gott was freu ich mich, muss aber auch gestehen, dass ein wenig Traurigkeit mitschwingt. Dann ist nämlich der Camino für mich zu Ende. Und das… macht mich schon ein wenig schwermütig. Aber noch sind es ja ein paar Kilometer.

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