Über Villafranca del Bierzo nach O Cebreiro

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Auf dem Camino Frances und inmitten galizischer Berge lassen sich eigentümliche Ortschaften finden: Ponferrada, Villafranca und letztlich O Cebreiro, auf gut tausend Höhenmetern gelegen. Zeit, ihnen einen Besuch abzustatten.
Das Templer-Castillo ist ein echter Hingucker. Aber auch der einzige in dieser achso modernen Stadt.

Das Schöne in den Bergen zu wandern ist, dass sich was tut. Hatte ich in der Meseta noch das Gefühl nach 20 Kilometern kein Stück vorwärts gekommen zu sein, genieße ich nun die abwechselnden Aussichten der Ausläufer des Kantabrischen Gebirges, welches man sich als Mischung aus Thüringer Wald und den Alpen vorstellen muss. Irgendwie liegt mir das Bergwandern mehr, als das tröge vor mich hinlaufen. Und natürlich das Wetter. Während der Rest Spaniens unter einer Wolkendecke liegt und von Sturmflut-artigen Regenfällen heimgesucht wird, genießen wir hier bestes Wanderwetter. Bei genüsslichen 23 Grad, wolkenlosem Sonnenschein und einer leichten Brise lässt es sich einfach gemütlich wandern. Toi, toi, toi – hoffentlich bleibt das so. Doch auch hier hält langsam der Herbst Einzug. Die Laubbäume beginnen sich zu verfärben und die ersten Blätter zu fallen. Doch eines nach dem anderen…

Ponferrada

Die beiden Aussagen des letzten Eintrags muss ich gleich zu Beginn revidieren, denn ich fürchte sowohl der Herberge als auch der Stadt Unrecht getan zu haben. Erstens: die Herberge. Man stelle sich einen Bau in rechtwinkliger U-Form vor. Zweigeschossig. Der Eingang befindet sich in der Mitte. Durch ihn gelangt man in einen großen Essraum mit offener Küche, eine Etage höher ein Aufentaltsraum mit Bibliothek, Internet und Ruhesesseln. Von dort führen jeweils rechts und links zwei Gänge in die Seitenflügel, von denen widerum die einzelnen Zimmer mit bis zu 5 Stockbetten abzweigen. Fällt nun jemand im äußersten Ende des Ostflügels aus seinem oberen Bett, ist das Gelächter der Zimmergenossen bis ins andere Ende des Westflügels zu hören. Ähnliches gilt übrigens für den nächtlichen Gang auf die Toilette. Und bei 200 Pilgern – die Herberge war voll – kommt da ein ganzes Gängemenü zustande. An Schlaf war also kaum zu denken.

Zweitens: In der Nähe des Templer-Castillo befindet sich die Altstadt Ponferradas, die durchaus sehenswert ist und immerhin einen Vergleich – ich wage mich – mit Rothenburg ob der Tauber zulässt. Für einen kurzen Moment fühlte ich mich ins Mittelalter versetzt. Aber eben nur für einen kurzen. Denn direkt danach begann wieder der städtebauliche Wahnsinn. Soviel also zu Ponferrada.

Dass man sich aber auch niemals komplett allein auf diesem Weg befindet…

Villafranca del Bierzo

Der Weg von Ponferrada nach Villafranca ist eher unspektakulär, wenn man nicht wie ich den Umweg über Valtville de Arriba macht, einem verschlafenen Örtchen mitten in der Pampa, umgeben von Weinbergen in denen fleißig gelesen wird. Sicher kein Buch, sondern die Trauben. Es ist Erntezeit. Und nach der Rioja hat man hier ein letztes Mal die Möglichkeit, sich an den reifen Früchten zu laben, bevor diese zu köstlichem Wein vergoren werden. Denn das Bierzo hat in den letzten Jahren mächtig an Ruf zugelegt und gilt mittlerweile unter Weinkennern als Geheimtipp. So hat man es mir zumindest erzählt. Wieviel Patriotismus in der Aussage steckt, wage ich allerdings nicht zu beurteilen.

Villafranca ist verschlafen, aber durchaus sehenswert. „Überschaubar“ würde da der Großstädter sagen. Ein Supermarkt, die übliche Farmacia, einen Plaza Mayor auf dem das Leben tobt und … immerhin … drei Kirchen. Muss mal mächtig was losgewesen sein zu Pilgerzeiten. Aber natürlich. Villafranca gilt auch als Klein-Compostela. Denn wer zu alt oder zu gebrechlich für den beschwerlichen Aufstieg zum Cebreiro war, konnte sich hier seine Gnaden-Compostela abholen. Soll wohl angeblich heute immer noch so sein.

Verschlafen und gemütlich. Das Museumsdörfchen O Cebreiro.

O Cebreiro

Der Weg von Villafranca bis nach Vega de Valcarce führt gut 15km immer entlang einer viel befahrenen Landstrasse, welche wiederum die benachbarte Autobahn kreuzt. Und die ist momentan wegen Bauarbeiten gesperrt. Das heisst, hier fühlt sich der Großstädter zu Hause, hier brummen die LKWs in Reichweite an einem vorbei, hier darf schon mal geflucht werden. Wenn nicht der Weg immer wieder in die kleinen, etwas abseits gelegenen Dörfer abzweigen würde, wäre das einfach nicht auszuhalten. Da erprobt der Apostel die Nervenstärke. Aber ordentlich.

Doch verlässt man dann endlich die Straße, ist man nur noch von Natur umgeben. Und wie. Der eingangs erwähnte Vergleich mit dem Thüringer Wald kommt nicht von irgendwo. Kühe grasen auf den Feldern, Grillen zirpen in den Sträuchern und Schmetterlinge begleiten meinen Weg. Einfach nur toll. Warum sich allerdings die Kuhfladen auf der Straße befinden, während die Viecher die ganze Zeit auf dem Grün stehen, will mir nicht so wirklich einleuchten. Aber schon der Wanderführer weist darauf hin, dass „zum Teil starke Rutschgefahr aufgrund von Kuhfladen besteht“. Aha.

Der Aufstieg zum O Cebreiro hat es dann dafür ganz schön in sich. Steil zieht sich der Weg immer weiter nach oben und nicht zum ersten Mal denke ich, warum ich nun wieder hinauf muss, wo ich doch vor 2 Tagen das Ganze erst runter bin. Für die Autos haben sie da ne Brücke gebaut… Und dann bin ich endlich da. „Mist“ denke ich noch, „hätte ich doch lieber in La Faba übernachtet.“ Touristischer geht es nicht mehr. Im Wanderführer noch als Museumsdorf gepriesen ist das hier ne Touristenfalle. Sicher, sehr sehenswert, aber einfach komplett überlaufen.

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