Durch die Sächsische Schweiz – Malerweg Tag 4

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Mit knapp 20 Kilometern reiht die vierte Etappe erneut ein Highlight ans nächste. Ist der steile Anstieg von der Stadt Königstein bis zum Pfaffenstein geschafft, dürfen direkt im Anschluss noch Pfaffen- und Papststein sowie der Gohrisch bezwungen werden. Sandstein par excellence.

Auch heute zieht es mich beizeiten aus dem Bett und ich mache mich frühzeitig auf den Weg. Mit knapp 20 Kilometern soll dies eine der längsten Etappen auf dem Malerweg werden und der wolkenlose Himmel verkündet erneut einen heißen Sommertag. Also nichts wie los in Richtung Pfaffenstein.

Auf dem Pfaffenstein
Auf dem Pfaffenstein kann man ausruhen, entspannen und den Blick in die Ferne schweifen lassen.

Vom Kurort Rathen auf den Pfaffenstein

Da ich das Stück von Rathen nach Königstein ja gestern schon in umgekehrter Richtung gelaufen bin, spare ich mir den Teil und nutze für die eine Station die S-Bahn. Diese ist um 9 Uhr morgens bereits mit so vielen Wanderern gefüllt, dass ich schon befürchte, heute mal nicht allein unterwegs sein zu können. Aber falsch gedacht. Das Elbsandsteingebirge ist groß genug und die Massen verlaufen sich vom Bahnhof aus in alle möglichen Himmelsrichtungen. Ich für meinen Teil suche mir dann auch das Herzstück heraus und darf direkt von Königstein den steilsten Anstieg hinauf zum Pfaffenstein in Angriff nehmen, den ich je gelaufen bin.

Ein abolutes Muss für Wanderer im Elbsandsteingebirge: Der Pfaffenstein und die darauf hockende Barbarine. 287 Meter hoch, grazil und schlank wartet sie auf ihre Rettung.

An der Kirche vorbei zieht sich die kleine, kaum befahrene Gasse den Berg hinauf und kommt erst direkt am Fuße des Felsens wieder auf eine Ebene. Völlig außer Atem schiele ich den weiteren Weg entlang, nur um festzustellen, dass da noch mehr Anstieg auf mich wartet. Na wenn das nicht demotivierend ist. Also erst einmal Zeit für eine Rast. Nur kurz überlege ich, ob ich es dabei bewenden lasse und meinen Bekannten recht gebe. Aber ehrlich gesagt, gefällt es mir hier. Die Naturkulisse ist einzigartig, das Wetter bis auf ein paar Regenschauer sehr gut und vor allem, das wichtigste, ich fühle mich wohl. Das hatte ich so nicht erwartet, denn das fühlt sich so gut an, dass ich schon bei dem Gedanken daran motiviert genug bin, den weiteren Aufstieg in Angriff zu nehmen.

Auf dem Pfaffenstein
Weite Blicke bin zum Horizont: auf dem Pfaffenstein

Nach einer recht knackigen Besteigung überrascht mich auf dem Plateau angekommen eine noch schönere Aussicht, als auf dem Lilienstein. Hier, und damit meine ich das gesamte Elbsandsteingebirge, sollte man wahrhaft alle Berge einmal bestiegen haben. Die Sächsische Schweiz präsentiert sich wirklich von jedem Gipfel anders. Und jedes Mal schöner.

Die Barbarine.
Der alten Sage nach soll ein Muttchen die böse Tochter, die statt in die Kirche zu gehen lieber Beeren am Fuße des Felsens sammelte, in Stein verwandelt haben, um das Mädchen für ihren Ungehorsam zu strafen. Na, das nenn‘ ich doch mal eine echte Erziehungsmaßnahme.

Ein absolutes Muss: die Barbarine auf dem Malerweg

Der Pfaffenstein hält dann auch noch eine kleine Überraschung bereit: die Barbarine. Schlank und schmal türmt sich dieser Sandsteinfelsen 287m kerzengerade in den Himmel und musste schon mehrmals wegen Einsturzgefahr repariert werden. Der alten Sage nach soll ein Muttchen die böse Tochter, die statt in die Kirche zu gehen lieber Beeren am Fuße des Felsens sammelte, in Stein verwandelt haben, um das Mädchen für ihren Ungehorsam zu strafen. Na, das nenn‘ ich doch mal eine echte Erziehungsmaßnahme. Man stelle sich vor, wir hätten heutzutage noch die Möglichkeit, Kinder in Stein zu verwandeln. Auf Fingerschnips. Zack! Und schon hätten wir eine neue tolle Landschaft. Mit großen Schulklassen wären dann ganze Arrangements möglich.

In der Sächsischen Schweiz sollte man wahrhaft alle Berge einmal bestiegen haben. Diese Gegend präsentiert sich wirklich von jedem Gipfel anders.

Vom Pfaffenstein führt der Weg weiter durch dichte Wälder am Gohrisch vorbei auf den Papststein. An seinem Fuße stoße ich auf eine Gruppe agiler Rentner, die sich das gleiche Ziel gesetzt haben. Während wir zusammen vor dem Gipfelsturm rasten, kommen wir ins Gespräch und beschließen, den Fels gemeinsam zu erklimmen. In meinem jugendlichen Leichtsinn lasse ich mich zu einer Wette ob der Geschwindigkeit des Aufstiegs hinreißen. Doch schon während der ersten Meter stelle ich mit Erstaunen fest, dass wohl meine Hochnäsigkeit hier ihren Meister gefunden hat. Als hätten sie noch immer die Jugend für sich gepachtet stürmen sie vorneweg und ich bin krampfhaft bemüht, den Anschluss zu halten. Als wir den Gipfel schließlich erreichen, bin ich genauso außer Atem wie sie. Das erfährt meinen Respekt und die anschließende Runde Bier geht auf mich.

Die Kirnitzschtal-Bahn
Museumsreif und doch intakt: die Kirnitzschtal-Bahn. Für alle Freunde der Leichtfüßigkeit.

Ab heute wird draußen geschlafen

Vom Papststein ist es dann auch nicht mehr weit bis nach Bad Schandau, der letzten größeren Stadt vor der tschechischen Grenze. Hier tobt das Leben wieder etwas mehr, ist dieser Ort doch ein anerkannter und gern verschriebener Kurort. Direkt an der Mündung der Kirnitzsch gelegen kann ich nochmals meine Reserven in Form eines Kaffees auffüllen, bevor es mich ins gleichnamige Tal verschlägt. Da ich keine große Lust verspüre, mich zu überanstrengen, nutze ich für die letzten Kilometer die traditionsreiche Kirnitzschtal-Bahn. Diese ist eine Art Straßenbahn und wird heute noch genauso gern gefahren, wie zur ihrer Eröffnung vor über 100 Jahren. Allerdings sieht sie auch noch genauso alt aus. Sie quietscht und klappert bei jeder Kurve.

Der Lichtenhainer Wasserfall
Endlich mal ein Wasserfall, der seinen Namen auch verdient hat.

An der Endstation, dem Lichtenhainer Wasserfall, der seinem Namen ausnahmsweise mal alle Ehre macht, treffe ich dann auch auf meinen Bruder. Der hat ein paar Tage frei und wird mir die nächsten Tage Gesellschaft leisten. Gemeinsam suchen wir uns eine noch nicht besetzte Boofe in der Nähe und lassen den Tag bei einem Glas Rotwein und selbstgekochter Kosmonauten-Nahrung ausklingen. Lecker ist zwar anders, aber dafür haben wir wenigstens so etwas wie ein Dach über dem Kopf.

In der Ida-Grotte
Nach vielen Kilometern sind die Beine schwer und der Wanderer müde. Tut mir leid, aber Kosmonauten-Nahrung schmeckt leider nicht. Daher war ich ganz glücklich, dass mein Bruder noch ein paar Krakauer einstecken hatte.
Kurz vor der Ida-Grotte
Mit meinem Bruder ist immer für Unterhaltung gesorgt. Zu zweit machen wir das Elbsandsteingebirge unsicher.

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