Durch die Sächsische Schweiz – Malerweg Tag 2

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Auf der zweiten Etappe des Malerwegs wird es touristisch. Höhepunkte wie die Bastei, die Schwedenlöcher und der Kurort Rathen laden zum Staunen und Verweilen ein.

Nach einer ausgezeichnet verbrachten Nacht und einem reichhaltigen Frühstück breche ich erst gegen 11 Uhr zu meiner heutigen Etappe in Richtung Rathen auf. Naja, man muss sich ja nicht immer mit dem ersten Hahnenschrei hysterisch übers Buffet stürzen. Die Sonne scheint also schon mehrere Stunden und dementsprechend warm ist es, bevor ich überhaupt losgehe.

Der Steinerne Tisch
Auch fast 300 Jahre danach kann man hier noch gemütlich speisen.

Startpunkt gut „gewehlt“

Gleich hinter Wehlen führt der Steinrückweg hinauf zum Steinernen Tisch. Diese Ansammlung von Sandsteinen wurde extra zu Ehren eines kurfürstlichen Jagd-Essens im Jahre 1710 errichtet. Ob allerdings die in der Nähe gefundenen und in Stein geritzten Initialen tatsächlich fast 300 Jahre alt sind, ist nicht genau belegt. Und ehrlich gesagt, bei der Anhäufung von Einritzungen in irgendwelche Felsen und Findlinge der Sächsischen Schweiz, darf das auch durchaus in Frage gestellt werden. Eine kleine Kuriosität allerdings ist die Verlockung des abseitigen Wirtshauses. Dort lädt groß angeschlagen folgender Spruch zum Verweilen ein: Der Kopf tut weh, die Füße stinken, höchste Zeit ein Bier zu trinken. Als ich mir das Ganze dann bildlich vorstelle, ist die Verlockung auch schon wieder vorbei. Wer will schon inmitten stinkender Füße etwas zu sich nehmen?

Aussicht von der Bastei
Verschlafen und klein sieht alles von der Bastei aus. Hier der Kurort Rathen.

Auf die Bastei

Also ohne Pause mache ich mich weiter auf den Weg. War ich bis eben gänzlich allein unterwegs gewesen, ist es von nun an damit vorbei. Aus den unterschiedlichsten Richtungen tauchen immer mehr Menschen mit dem gleichen Ziel auf: die Bastei. Eine monumentale, in den Fels gebaute Steinbrücke, die sich fast 200m über das Elbtal erhebt. Phänomenal. Und hier begegne ich dann auch zum ersten Mal dem Sandstein.

Von der ehemaligen Raubritterburg aus genieße ich einen atemberaubenden Blick in das Basteimassiv und staune nicht schlecht über die majestätischen Felsen, die steil in den Himmel ragen. Das ist schon einzigartig. Allerdings ist es dank direkter Straßenanbindung nicht besonders gemütlich, um nicht zu sagen laut, auf dieser Brücke und in dem angrenzenden Restaurant. Bevorzugt für Schulklassen und Rentner scheint dieses Ausflugsziel ein sehr beliebtes zu sein. Für meinen Geschmack allerdings ein zu beliebtes. Wer also die Massen scheut, sollte genau wie ich nur mal einen kurzen Blick riskieren und sich dann schleunigst in Richtung Amselgrund verdrücken.

Mönchsfelsen
Wer in den Genuß einer Klettertour kommen will, sollte sich beim Mönchsfelsen nur ein wenig Zeit nehmen. Irgendjemand wird schon auf ihn drauf wollen.
Die Bastei
Viel los auf der Brücke. Aber schön anzuschauen ist sie ja, die Bastei.

Durch die Schwedenlöcher zum Amselfall

Dort schließe ich mich einer kleinen Wandergruppe an, immer allein gehen ist ja auch irgendwie langweilig, und gemeinsam durchqueren wir die Schwedenlöcher. Wie man mich unterwegs aufklärt, tragen die ihren Namen jedoch nicht, weil ein paar Schweden hier irgendwelche Löcher gegraben haben, sondern weil sich die Bewohner der naheliegenden Dörfer in den zerklüfteten Felsspalten und Nischen während des Dreißigjährigen Krieges vor den Schweden versteckten. Wie sich im Übrigen das ganze Elbsandsteingebirge bei jedem Krieg nicht nur für die Anwohner als Rückzugsort anbot. Zu Hauf muss es schon weit vor dem Mittelalter Befestigungen und Höhlen gegeben haben, die bevorzugt von Räubern und Dieben als Versteck genutzt wurden. Was man nicht alles unterwegs erfährt.

Der Amselfall
Wasserfall ist hier wohl eher eine schmeichelnde Umschreibung.

Der Amselfall ist leider nur dem Namen nach oder zur Schneeschmelze im Frühling ein richtiger Wasserfall. Denn zu dieser Jahreszeit ist die Bezeichnung Fall wohl die falsche. Aber Amseltröpfel klingt auch irgendwie komisch. Dafür bietet das daneben befindliche Wirtshaus nicht nur das langersehnte Kaltgetränk, sondern klärt auch in einem Museum über den Nationalpark Sächsische Schweiz auf. Wer sich also ausruhen und etwas lernen will, kann hier beides.

Amselsee vor Lokomotive
Wenn Gondeln mal keine Trauer tragen, sondern zur Erholung führen. Der künstlich angestaute Amselsee zu Füßen der Lokomotive.

Ankunft im Kurort Rathen

Nach einem abschließenden Kaffee verabschiede ich mich von meiner neuen Bekanntschaft und mache mich wieder allein auf den Weg. Immer dem Amselgrundbach folgend, komme ich wenig später an einem künstlich angestauten See vorbei, der einen zutiefst romantischen Blick auf den nahe gelegenen Lokomotivfelsen bietet. An seinen Ufern schwimmen ein paar Ruderkähne und der Inhaber der Bootsleihe verspricht für ein paar Euro auch das Rudern auf dieser Einzigartigkeit. Das muss ich nun der Sächsischen Schweiz einmal lassen: Touristisch erschlossen ist sie ja. Und zwar ganz.

Bizarre Felsen und steile Berge: Die Sächsische Schweiz zeigt sich hier in all ihrer Vielfalt.

Da ich keine große Lust auf eine zusätzliche Anstrengung verspüre, begebe ich mich auf die letzten Kilometer meiner heutigen Etappe. Gänzlich vom Verkehr befreit, besticht der Kurort Rathen als reine Touristenattraktion. Eine Apotheke, genauso wie einen Supermarkt suche ich vergebens. Da ich bereits am Vortag telefonisch eine Übernachtung für heute reserviert habe, komme ich diesmal um das zeitraubende Suchen herum und kann den Wandertag ganz entspannt in einem Restaurant an den Ufern der Elbe ausklingen lassen.

Geschrieben von

Sven Becker

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