Durch die Sächsische Schweiz – Malerweg Tag 1

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Der Malerweg in der Sächsischen Schweiz ist ein Fernwanderweg besonderer Güte. Auf knapp 113 Kilometern windet er sich abwechselnd recht und linksseitig der Elbe durch die Sandsteinfelsen. Auf der ersten Etappe entführt uns der Bericht auf die Strecke von Lohmen bis zur Stadt Wehlen.

Als ich meinen Bekannten gegenüber erwähnte, ich wolle eine Woche auf dem Malerweg durch die Sächsische Schweiz wandern, schienen sie meinem Vorhaben skeptisch gegenüber zu stehen. Ich war überrascht, gilt doch das Elbsandsteingebirge als eines der schönsten in ganz Europa. Wie sich allerdings herausstellte, bezweifelten Sie weniger die Einzigartigkeit dieses Landstriches, sondern mehr meine bis dato nicht vorhandene Wanderleidenschaft. So kannten mich meine Freunde auch eher vom gemütlichen Liegen am Strand und dem gemütlichen Liegen auf einer Couch, sowie dem gemütlichen Liegen auf einer Couch am Strand. Aber wandernd? Wohl kaum…

Die Wiesen bei Lohmen
Ja, so schaut es aus rund um Lohmen. Wiesen, Felder, Brachen. Sind das etwa blühende Landschaften?

Start in Lohmen

Für einen kurzen Moment dachte ich auch daran, die Idee wieder zu verwerfen, was aber gleichzeitig bedeutet hätte, mich von einer vorgefertigten Meinung über mich beeinflussen zu lassen. Und das wollte ich nun so gar nicht. So kam es, dass ich mich dann doch aufmachte zu den schweizer Sachsen. Oder sagt man da eher sächsischen Schweizern? Egal.

Das Gespräch noch im Kopf steige ich bei hochsommerlichen Temperaturen im schönen Lohmen, einem kleinen Ort nahe Pirna gelegen, aus dem Bus und suche den ersten Hinweis auf den Malerweg. Dieser soll mich in Richtung Uttewalder Grund und damit direkt hinein in das Elbsandsteingebirge führen. Sicher, ein Swimmingpool wäre mir jetzt lieber, aber das Leben ist nun mal kein Feinkostladen und das hier soll ja auch keine Gourmet-Wanderung werden. Mehr so was wie ein Hackepeter-Brötchen vielleicht. Bodenständig und nahrhaft.

Der Abenteurer wird im Elbsandsteingebirge eine sinnenhafte Erfahrung machen.

Der Ort ist relativ unspektakulär und hinterlässt den Eindruck einer verschlafenen Landstraße, an deren beiden Seiten sich die Häuser kuscheln. Dahinter scheint Lohmen schon wieder zu Ende und wird durch landschaftliche Brachen begrenzt. Dafür zieht sich die Ortschaft allerdings ganz schön in die Länge und im Nachhinein hätte ich ruhig noch zwei Stationen mit dem Bus weiterfahren können, um mir nicht den gesamten Ort antun zu müssen. Denn aufregend ist irgendwie anders.

Das Felsentor im Uttewalder Grund
Gebückt geht es sich nur halb so gut. Dafür aber ehrwürdig. Halb betend betrete ich das Elbsandsteingebirge.

Ausflug in die Welt der Sandsteine am Malerweg

Nachdem ich dann recht einfach das richtige Hinweisschild gefunden habe, man folgt nämlich einfach nur der Landstraße bis zum Ende des Ortes, führt mich der Weg vorbei an den Wiesen hinein in einen Wald, der dicht, schattig und angenehm kühl ist. Schritt für Schritt zieht es mich hinein in eine Landschaft, die zwar bisher noch nicht wirklich spektakulär ist, aber es mir dafür erlaubt, den Alltag immer mehr zu vergessen. Hin und wieder wird der Wald aufgrund kleiner Felsformationen durchbrochen, doch so richtig fühle ich mich hier noch nicht wie im gelobten Land der Sandsteine.

Ein kleiner Abzweig in den Teufelsgrund lässt da schon eher ahnen, wozu die Natur in ihrer Mannigfaltigkeit überhaupt fähig ist. Dunkel zeigt sich der Weg, und teils gebückt wandere ich auf ausgetretenen Pfaden, über Wurzeln und über Steine. Einfach herrlich.

Durch den Uttewalder Grund
Die Sächsische Schweiz ist auch ein kleines Stück wie zu Hause: Treppen steigen gehört einfach dazu.
Im Teufelsgrund
Erst lehne ich noch lässig an der Leiter. Wenig später liege ich auf dem Arsch. Durch die Enge der Felsen sind die Wege immer auch ein wenig feucht.
Die Stadt Wehlen an der Elbe
Verschlafen ist noch gut gemeint. Hier schläft fast alles, sogar der Verstand. Das Elbsandsteingebirge gehört nicht umsonst zu den Hochburgen des Rechtspopulismus in ganz Sachsen. Immerhin wählten bei der Bundestagswahl im Jahre 2005 knapp 10% der Wehlener die NPD. Wie kann man nur in solch einer Naturkulisse leben und sich so fehlentscheiden? Offensichtlich beschränken die Hänge des Elbtals nicht nur den visuellen Horizont.

Ankunft in Wehlen

Als ich dann endlich in der Stadt Wehlen, meinem heutigen Tagesziel ankomme, bin ich von dem verschlafenen Charakter vollauf begeistert. Irgendwie scheint hier die Zeit still zu stehen. Da ich noch ein wenig Lust aufs Wandern habe, begebe ich mich zur nahegelegenen Wilke-Aussicht, von der man einen wirklich tollen Ausblick auf die Elbe und die kleine Stadt Wehlen hat. Leider vergesse ich darüber etwas die Zeit und komme erst am frühen Abend, also viel zu spät zur Zimmersuche. Hatte ich doch gehofft in der Vorsaison mit Leichtigkeit eine Übernachtung zu finden, muss ich nun erkennen, dass die Sächsische Schweiz wohl immer Saison hat. Alle privaten Pensionen und Zimmer sind belegt, so dass mir nichts anderes übrig bleibt, als in der Unterkunft am Marktplatz zu übernachten. Das Hotel ist zwar ganz schön, aber auch leider ganz schön teuer. Direkt an der Elbe gelegen bietet es allerdings einen fantastischen Ausblick. Und so vergehen die letzten Stunden des Tages bei einem guten Essen und einem sächsischen Wein auf der Terrasse wie im Fluge.

Stadt Wehlen an der Elbe
Inmitten der Sandsteinfelsen wohnt und lebt es sich scheinbar gut.

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