Lift auf die Schrammsteine

Zeichenfläche 16 Kopie 2

weiterlesen

Mein guter Freund Royko war noch nie in der Sächsischen Schweiz. „Na das lässt sich ändern“ sagte ich. Am Ende ging es ihm wie allen anderen auch: er war verliebt. „In die Postkartenidylle des Elbsandsteins“ sagt er, der bisher nur in den Alpen und an der Amalfiküste unterwegs war und nun eines der „mystischsten und schönsten Gebirge Deutschlands“ kennengelernt hat. Das wiederum sagt die GEO.

Mein guter Freund Royko war noch nie in der Sächsischen Schweiz. „Das lässt sich ändern“ sagte ich. Am Ende ging es ihm wie allen anderen auch: er war verliebt. „In die Postkartenidylle des Elbsandsteins“ sagt er, der bisher nur in den Alpen und an der Amalfiküste unterwegs war und nun eines der „mystischsten und schönsten Gebirge Deutschlands“ kennengelernt hat. Das wiederum sagt die GEO.

Bad Schandau unter Wolken, der Lift auf die Schrammsteine macht’s möglich.
Bad Schandau unter Wolken, der Lift auf die Schrammsteine macht’s möglich.

Rundwanderung von Bad Schandau über Schrammsteine und Kuhstall (17km)

Der Liftboy im Historischen Personenaufzug Bad Schandau ist nur dem Namen nach einer. Genauso betagt wie das Gefährt, das er täglich bedient, knarzt und knurrt er sich über die fünfzig Höhenmeter hinauf nach Ostrau und weiß durch tägliche Wiederholung etwas abgeschliffenem Humor die Fahrzeit zu verkürzen. Klein ist die Kabine. Mit ihm, seinem Kassiertisch und uns findet noch ein Rentnerpärchen Platz. Dann wird es eng. Der Fahrpreis beträgt moderate 2,- € und wird günstiger, wenn man die im Hotel ausgefüllte Kurkarte dabei hat. Was wir natürlich nicht haben. Nichtsdestotrotz ist der Aufzug gleich zu Beginn der Wanderung ein kleines Highlight und sollte nicht achtlos liegen gelassen werden.

Die zerklüftete Felslandschaft der Schrammsteine von Ostrau aus gesehen
Die zerklüftete Felslandschaft der Schrammsteine von Ostrau aus gesehen

Ostrau, einst kleine Siedlung landwirtschaftlichen Ursprungs, erfuhr erst spät, nämlich durch Rudolf Sendig, eine kleine Renaissance. Als Ehrenbürger Bad Schandaus war sein Handeln eng mit der Umgebung verknüpft. Hoch über der Elbe ließ er ab 1903 seine „lieblichen Landhäuser“ errichten – Villen im alpinen Stil, freistehend und mit Weitblick. Noch heute wird er liebevoll verehrt. Ein Brunnen, ein Park, sogar die Hauptstraße durch den Ort tragen seinen Namen. Und eben die Villen in Ostrau. Von großzügigen Vorgärten umgeben in denen – und das in wirklich jedem einzelnen – wundervoll-blaue Rhododendren blühen.

Bunt blüht’s im Garten des Villenviertels von Ostrau
Bunt blüht’s im Garten des Villenviertels von Ostrau

Auf die Schrammsteine

Der Weg hinauf auf die zerklüftete Felsengruppe führt vornehmlich über Stufen und Stiegen. Und über Geduld. Wie nicht anders zu erwarten, ist die Sächsische Schweiz zu einem der beliebtesten Touristen-Hotspots Deutschlands gewachsen und heißt es folgerichtig an den schmalen Eisenleitern anstehen. Denn wirklich alle, die auf die Aussichtsplattform rauf wollen, kommen auch über genau diese Stelle wieder zurück. Ein Mensch gemachtes Nadelöhr. Im frischen Wind, der über die freistehenden Felsen weht, schwebt ein Hauch von Wurst und Bier. Das mitgebrachte Picknick lässt sich beim Ausblick über das Elbsandsteinland nunmal doppelt so gut genießen.

Schramm, Schrammer, Schrammsteine.
Schramm, Schrammer, Schrammsteine.

Dem Schrammsteinweg in östliche Richtung folgend hat man fortan mehrere Möglichkeiten, die Sächsische Schweiz weiter zu erkunden. Man könnte dem ursprünglichen Plan folgen und zum Großen Winterberg weiterwandern, den Kleinen Winterberg ins Visier nehmen oder gar durch Nasser Grund am Kleinen Dom vorbei zur Hohen Liebe gehen. Ich entscheide mich für die denkbar ungünstigste Variante: fürs Verlaufen. An irgendeiner Wegkreuzung muss ich – vermutlich ins Gespräch vertieft – nicht richtig aufgepasst haben und schwupps, schon weiß ich nicht mehr, wo genau wir eigentlich sind. Im Grunde ist das auch gar nicht wild, da zum Einen mein Wanderfreund sich hier ja sowieso nicht auskennt und zum Anderen man immer irgendwo wieder rauskommt. Am Ende heißt das jedoch knapp 6 Kilometer Umweg und ganz nebenbei einen traumhaften Weg entdeckt. Nämlich den um die ganzen Affensteine herum. Auf diesem kommen uns zwar nur noch vereinzelt Wanderer entgegen, dafür zeigt sich aber das Hinterland der Sächsischen Schweiz von seiner wilden Seite.

Kletterfelsen mit Ausblick
Kletterfelsen mit Ausblick

Vom Kuhstall zum Lichtenhainer Wasserfall

Wo einst Mensch und Vieh dicht beieinander gedrängt den Unbilden des Wetters ausharrten heißt es heute gemütlich in der Sonne sitzend Kaffee und Kuchen genießen. Der Ausblick ist famos und für die Kinder gibt es genug Felsen und Brocken zum Klettern und Erklimmen. Jegliches Alter tummelt sich um Fels und Tor und reges Treiben bietet wohltuende Ablenkung. Auch wir tun es den Massen gleich und genießen das Treiben etwas abseits des Weges.

Durch diese hohle Gasse werden sie kommen! Und die Affensteine bewundern.
Durch diese hohle Gasse werden sie kommen! Und die Affensteine bewundern.

Die letzten Kilometer bis zum Lichtenhainer Wasserfall, der trotz Trockenperiode und Waldbrandwarnstufe 4 noch genug Wasser führt, sind schnell gelaufen. Schließlich geht es vom Kuhstall nur noch bergab und die Aussicht, uns mit dem Industriedenkmal Kirnitzschtalbahn wieder zurück nach Bad Schandau schunkeln und quietschen zu lassen, beschleunigt unseren Schritt. Eine jugendliche Gruppe, geschätzt Anfang zwanzig, gesellt sich dazu und wir kommen ins Gespräch.

Alles noch in Handarbeit: Umkoppeln des Triebwagens der Kirnitzschtalbahn
Alles noch in Handarbeit: Umkoppeln des Triebwagens der Kirnitzschtalbahn

Ebenfalls aus Berlin kommend campen sie an der Ostrauer Mühle, einem der schönsten Campingplätze im Elbsandsteingebirge den ich kenne. Zum Abschluss ihrer Tour beschließen sie ebenfalls die gemeinsame Fahrt mit dem antiken Gefährt. Nur einer ihrer Mitfahrer sieht das anders. Mit knirschenden Zähnen tut er es den anderen zwar gleich, zeigt aber deutlich, was er von dem rostigen Teil und den für sein Empfinden zu hohen Fahrpreis hält. Nichts. Gruppendynamik birgt stets auch ihre eigenen Befindlichkeiten. Wir im Gegensatz genießen den Transport und beenden unseren kleinen Rundweg fast so, wie wir ihn auch begonnen haben: mit steinalter Technik.

Informationen

Sven Becker
Sven Becker
In Dresden aufgewachsen, in Berlin eine neue Heimat gefunden, starte ich von hier in die Fremde. Mal mit Rucksack, mal ohne. Mal in die Berge, mal an den Strand. Aber immer mit offenen Augen. Denn Abenteuer gibt es an jeder Ecke...

Geschrieben am

Share / Teilen

Facebook
Twitter
Pinterest
Email
WhatsApp

Weiterlesen

Ein letzter Blick auf die Drei Zinnen, schön wars.

Abschied auf dem Monte Piana – #RoadToAlps

Vom Dürrensee aus führt ein Wanderweg auf den Doppelgipfel des Monte Piana/Monte Piano und damit direkt ins hart umkämpfte Herz des Ersten Weltkriegs in den Dolomiten. Das Freilichtmuseum auf seinem Plateau weiß von Schicksalen und bitterer Kälte zu berichten.

Bericht Lesen ⟶

Rund um die Drei Zinnen – #RoadToAlps

Es gibt viele markante Berge, die man sofort mit den Alpen in Verbindung bringt. Ähnlich dem Matterhorn hat bei den Drei Zinnen ein jeder sofort ihr Bild vor Augen. Eine kurzweilige Wanderung führt einmal um sie herum und darf bei keinem Besuch der Dolomiten fehlen.

Bericht Lesen ⟶

Weitere Berichte

2019_tB_Logo_backpack_black

Diese Webseite verwendet Cookies. Für eine uneingeschränkte Nutzung dieser Webseite werden Cookies benötigt. Einige davon erfordern eine ausdrückliche Zustimmung. Bitte akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können.

 

Detaillierte Informationen über den Einsatz von Cookies auf dieser Webseite erhalten Sie im Bereich der Datenschutzerklärung.

2019_tB_Logo_backpack_black

Kein Abenteuer mehr verpassen!

Melde Dich für unseren Newsletter an und erfahre vor allen anderen von bevorstehenden Veröffentlichungen, Neuigkeiten und exklusiven Gewinnspielen. Unregelmäßig versandt landen die Infos zukünftig auch in Deinem Posteingang.

190425_tB_Titelseite