Lesezeit an lauen Sommerabenden

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Der Sommer neigt sich dem Ende, die Nächte werden länger und die Abende beginnen wieder früher. Mit anderen Worten: der Herbst steht vor der Tür. Und mit ihm auch die Heimlichkeit eines Abends, jenseits des sommerlichen Trubels, bis tief in die Nacht – Lesezeit. Für viele sicher auch Anlass, sich wieder häufiger einem guten Buch zuzuwenden. Ein Gläschen Wein, eine Insel voller Licht und abgetaucht wird in literarische Abenteuer fern des Alltags. Aus diesem Anlass seien dem geneigten Leser ein paar Bücher ans Herz gelegt, die mir nicht nur gefallen haben, sondern vielleicht auch helfen, stressigen Stunden zu entfliehen und Abenteuer im heimischen Sessel zu erleben.

 

Wolfgang Büscher „Berlin – Moskau“

Worum geht’s?
Spontan den Rucksack packen und eine abenteuerliche Strecke zu Fuß laufen. Und das nicht irgendwohin, nein, das Ganze von zu Hause (in diesem Falle Berlin) bis nach Moskau. Fremde Landschaften, fremde Menschen, fremde Orte. Geheimnisvolles tut sich auf und wird mit Anekdoten und Erfahrungen verwoben. Bis endlich – Wochen später – die Fremde ganz nah, ja fast Alltag, jedoch nicht alltäglich geworden ist.

Über den Autor
Wolfgang Büscher, Jahrgang 1951, arbeitete viele Jahre als freier Journalist unter anderem für die „Süddeutsche Zeitung“, „GEO“ oder die „Zeit“ und schrieb Reportagen über seine Reisen. 2010 wurde er mit dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet und erhielt für sein Buch „Berlin – Moskau“ den begehrten Tucholsky-Preis. Heute leitet er das Ressort Reportage bei der „Welt“.

Mein Eindruck
Voller Melancholie zieht es den Leser immer tiefer in die unbekannte Fremde und der Autor vermag mit seinem Schreibstil zu entführen. Man ist nicht nur Leser einer Geschichte, sondern glaubt ein Teil von ihr zu sein. In kurzen, knappen Sätzen wird Erlebtes auf den Punkt gebracht und detailgetreu wiedergegeben. Kein Buch, das man von Anfang bis Ende verschlingt, dafür aber lange Zeit in Erinnerung behalten wird.

„Berlin – Moskau“ von Wolfgang Büscher
Erschienen bei Rowohlt Taschenbuch | 240 Seiten | ISBN 978-3-4992-3677-8 | € 10,00 [D]

 

 
 
 

Roger Willemsen „Die Enden der Welt“

Worum geht’s?
Roger Willemsen reist. Diesmal an die Enden der Welt. Fünf Erdteile hat er besucht, an 22 Stationen Halt gemacht und dabei Abenteuer zwischen Verwunderung und Auflösung erlebt. Von Timbuktu nach Tonga, von Kamtschatka nach Bombay. Kein Ort ist zu weit, kein Abenteuer zu groß. In Katmandu trifft er auf Geister und Scheintote, im Kongo gerät er in die Mühlen der Behörden, in Indien lässt er sich von Eunuchen segnen. Erlebnisreiche Bilder und eine Tür ohne Wiederkehr.

Über den Autor
Roger Willemsen – ein Tausendsassa. Essayist, Korrespondent, Übersetzer, Moderator und Regisseur, um nur einen Teil seiner Vielfältigkeit zu nennen. Ausgezeichnet mit dem „Bayerischen Fernsehpreis“ und dem „Adolf-Grimme-Preis“ in Gold. Dem ersten Buch „Kleine Lichter“, mittlerweile verfilmt, folgten seit 1984 viele weitere.

Mein Eindruck
Fulminant und Sprach-akrobatisch beschreibt Willemsen mithilfe von grammatikalischen Kniffen und Schachtelsätzen Bilder seiner Reisen. Doch dabei verwirrt der reichhaltige Sprachgebrauch keineswegs, sondern dient vielmehr dem Begreifen des vermeintlich Unbegreifbaren. Immer weiter dringt der Autor dabei in die Verwirrungen der Welt bis an ihre Enden und dröselt sie auf, verknüpft sie mit Hintergrundwissen und sozialen Kuriositäten, ohne dabei belehrend zu wirken. Ein ganz großes Buch, das sich am besten als Episodenroman liest.

„Die Enden der Welt“ von Roger Willemsen
Erschienen im Fischer Taschenbuch Verlag | 544 Seiten | ISBN 978-3-5961-7988-6 | € 10,99 [D]

 

 
 
 

Freddy Langer „Alles zu Fuß“

Worum geht’s?
Aufbrechen. Grenzen überschreiten. Keine Metapher bildet unser Leben überzeugender ab als das Gehen. Schon allein die Frage „Wie geht’s“ lässt Assoziationen mit der Fortbewegung zu. Freddy Langer greift dieses Grundverständnis auf und schildert in mal unterhaltsamen, mal nachdenklichen Episoden sein Gehen durch die Welt. Ob auf dem Gipfel des Kilimandscharo oder beim Wandern durch die Sächsische Schweiz, hier berichtet einer aus eigener Erfahrung vom Wandern, vom unterwegs sein.

Über den Autor
Freddy Langer, Jahrgang 57, ist Ressort-Leiter des Reiseteils der FAZ. Als dieser hat er schon viele Reisen durch die Welt unternommen, alles zu Fuß, vor allem in Amerika. Zahlreiche Bücher sind mittlerweile von ihm erschienen, alle im Ellert & Richter Verlag.

Mein Eindruck
Ursprünglich in der FAZ erschienen, sind in diesem selbsternannten Reiselesebuch die schönsten seiner Reportagen zusammen gefasst. Unterhaltsam, bisweilen anthroposophisch, paaren sich die Anekdoten in Kurzgeschichten zusammen. Für die FAZ typisch wird in diesem Buch die Sprache als Medium des Informationstransportes benutzt, mehr noch als nur zu Unterhaltungszwecken. Etwas für die U-Bahn oder die Kurzweil.

„Alles zu Fuß“ von Freddy Langer
Erschienen im Ellert & Richter Verlag | 160 Seiten | ISBN 978-3-8319-0361-0 | € 12,95 [D]

 

Geschrieben von

Sven Becker

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Lena Schnabel „Meine Suche nach dem Nichts“

Henro: Pilgern auf Japanisch – #Buchvorstellung

Pilgerwege gibt es viele. Der älteste von ihnen ist der Henro in Japan und dort auf der japanischen Insel Shikoku. Seit dem 9. Jahrhundert begeben sich Wanderer und Pilger auf seine Wege. Ihnen folgt Lena Schnabl, die in ihrem gerade erschienen Buch „Meine Suche nach dem Nichts“ humorvolle Einblicke in einen sehr persönlichen Weg gibt. Eine Buchvorstellung.

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Vorgestellt: „Weltnah“ von Jakob Horvat

Wenn man über ein Jahr lang eine Pause vom Alltag macht, dabei ausdrücklich die eigene Komfortzone verlässt, kann man in dieser Zeit nicht nur die Welt bereisen, sondern ganz nebenbei auch sich selbst entdecken. Nachzulesen sind die vom Journalisten Jakob Horvat gemachten Erfahrungen und Eindrücke in seinem neuen Buch, das gerade bei Kremayr & Scheriau erschienen ist.

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