Jakobsweg: Von Dahrenstedt nach Bertingen

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Wer auf einem Bauernhof übernachtet braucht sich nicht wundern, wenn er mit dem ersten Sonnenstrahl von Hahn und Henne geweckt wird. Das mag nicht nur romantisch klingen, das ist es auch. Schon immer war es mein größter Wunsch mit einem kläglichen Krächzen um halb fünf Uhr morgens geweckt zu werden. Na denke ich noch, der Jüngste ist dieser Hahn wohl auch nicht mehr, denn nach 10 Minuten kehrt schon wieder Ruhe ein. Ach was soll’s. Der frühe Vogel fängt den Wurm und so begeben Daniel und ich uns beizeiten auf den Weg, der kein leichter sein wird. Denn heute stehen knappe 31 Kilometer auf dem Programm. Nur unterbrochen von einigen Kirchen, Sehenswürdigkeiten und landschaftlichen Eindrücken, die hoffentlich das halten, was die morgendliche Vorfreude verspricht.

Dahrenstedt – Heeren – Grobleben – Bertingen (31km)
Die Kirche in Heeren ist nicht nur eine der ältesten auf dem heutigen Weg, sondern auch eine der sagenreichsten. Im 12. Jahrhundert erbaut ranken sich nämlich seit Anbeginn gleich mehrere dieser mittelalterlichen Gruselmärchen um den doch recht kargen Bau. So soll zum Beispiel der Teufel höchstpersönlich aus lauter Wut über die Errichtung dieser Feldsteinkirche vom benachbarten Welle aus einen Stein in Richtung Heeren geworfen, sie aber leider verfehlt haben. Die Zielsicherheit des Leibhaftigen wäre dann im Hof Nr. 24 zu bewundern. Denn dort ging er wohl nieder, der Stein. Weit weg von jeder Kirche.

Hinter Grobleben – auch hier die obligatorische Kirche, sehr schön – führt der Weg die nächsten 15 Kilometer mal an keiner Ortschaft vorbei, sondern ausschließlich durch Feld und Flur. Als wir mittendrin dann doch an einem Dorf vorbei kommen, wissen wir definitiv, wir haben uns verlaufen. Mal wieder. Die Ausschilderung ist auf diesem Wegabschnitt noch nicht so ganz Premium würdig, aber mit einer Hand voll Richtungsweiser mehr sicher auf dem besten Wege dahin. Positiv daran ist, so recht kann man sich gar nicht verlaufen. Denn irgendwo kommt man immer in ein Dorf und stößt auf ein paar freundliche Helfer. Negativ jedoch ist: die heutige Tagesetappe hat jetzt ein paar Kilometer mehr. Puh. Um es abzukürzen: wer hier keine Karte dabei hat ist selber schuld.

Nachdem wir nun auch den gefährlichsten Part hinter uns haben – es geht bombensicher durch ehemals militärisches Sperrgebiet – kommen noch so wohlklingende Orte wie Scheeren, Cobbel und das einstmals wohl sehr reiche Uetz. Nicht nur die Villen und Bauernhöfe erstrahlen hier im neuen Glanze, nein, direkt am Ortsausgang befindet sich eine Großsportanlage, wie es sie selbst in Berlin nicht gibt. Die BSG Traktor beherbergt zwei Fußballfelder, ein Volleyballfeld und mehrere Tennisplätze. Alle schön eingezäunt und der Rasen gut gepflegt. Das darf ja eigentlich nicht verwundern, denn wie jeder halbwegs gebildete Bürger weiß, lässt sich die Geschichte des Uetzer Sports mehr als 100 Jahre zurück verfolgen. Bewegungsfreudige Uetzer trafen sich schon 1902 in Gemeinschaften wie dem „Radfahrverein All Heil“ oder auch dem „Verein für Bewegungsspiele Uetz“. Heute spielen die Herren des VfB „Elbe“ Uetz in der Kreisoberliga Altmark Ost und stehen aktuell auf Platz 5. Das ist gar nicht schlecht, denn man sollte bedenken, dass der gesamte Ort Uetz nur etwas mehr als 200 Einwohner hat. Da ist das sonntägliche Liga-Spiel für jeden Uetzer Pflicht! Na dann: toi, toi, toi.

Diese historische Sehenswürdigkeit hinter uns lassend, gelangen wir 5 Kilometer später nach Bertingen und damit an unser Tagesziel. Das ehemalige Kinderferienlager „La Porte“ wurde zu einem wirklich schönen Hotel umgebaut und bietet direkt am Elberadweg gelegen nicht nur müden Wanderern ein Obdach.
Was für ein Tag. Die ursprünglich geplanten 31 Kilometer summierten sich dank diverser Umwege in der Gesamtzahl auf knappe 36. Bloß gut, dass wir heute Morgen so zeitig los sind. Ein Hoch auf den Hahn in Dahrenstedt. Lang möge er krähen.

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