Italienischer Barock in englischen Gärten – Auf die Inseln der Familie Borromeo

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AnzeigeFünf Inseln gibt es im borromäischen Golf des Lago Maggiore, von denen drei zu besichtigen sind. Mit dem Wassertaxi leicht zu erreichen, kann man sich einen ganzen Tag lang chauffieren und die Seele treiben lassen. Lustwandeln auf borromäisch.
Mit dem Wassertaxi von Insel zu Insel über den borromäischen Golf im Lago Maggiore
Mit der Fähre von Insel zu Insel über den borromäischen Golf im Lago Maggiore

Wäre Shakespeare nur einmal in seinem Leben in Baveno gewesen, hätte er sein Drama rund um Romeo & Julia vermutlich an diesen bezaubernden Ort verlegt. Mit der Familie Borromeo fand sich nämlich am Lago Maggiore eine ebenso einflussreiche und mächtige Linie wieder. Deren Schaffen scheint genauso eng mit der Entwicklung des gleichnamigen Golfs am zweitgrößten Sees Norditaliens verbunden zu sein, wie das der Capulets in Verona. Noch heute zählt das Geschlecht Borromeo zu den reichsten Familien Italiens und kann ihr Einfluss vor Ort bewundert werden. Man muss sich lediglich zu ihren Inseln aufmachen.

Ganze fünf davon gibt es im linken Seitenarm des Lago, wovon drei zu besichtigen sind. Nur eine befindet sich in absolutem Privatbesitz und ist für neugierige Besucher unzugänglich. Die andere ist zu klein und bietet lediglich Platz für zu kurz geratene Bäume. Allen gemein ist jedoch, dass sie ausschließlich per Boot zu erreichen sind. Naja, Inseln halt. Auch ich mache mich, dank gestriger Wanderung vom Muskelkater etwas geplagt, auf den Weg und möchte mir die viel gepriesene Schönheit der Borromäischen Inseln anschauen.

Der Borromäische Golf nordwestlich des Lago Maggiore.
Der Borromäische Golf nordwestlich des Lago Maggiore.
Mit den zumeist privaten Wassertaxis lässt es sich gemütlich über den Lago Maggiore und zu den Inseln der Familie Borromeo schippern.
Mit den zumeist privaten Wassertaxis lässt es sich gemütlich über den Lago Maggiore und zu den Inseln der Familie Borromeo schippern.
Auch die öffentliche Fähre bringt einen auf die Inseln, allerdings zu festgesetzten Zeiten.
Auch die öffentliche Fähre bringt einen auf die Inseln, allerdings zu festgesetzten Zeiten.

Auf die Borromäischen Inseln

Von Baveno aus gelangt man entweder mit einem Wassertaxi oder der öffentlichen Fähre auf alle drei Inseln. Auch wenn das Taxi etwas teurer ist (ca. 10,- € für eine Rundtour), hat es doch den Vorteil, dass Bring- und Abholzeiten etwas freizügiger mit dem Kapitän abgesprochen werden können. Die öffentliche Fähre dagegen ist zwar preiswerter (3,90 € / Erwachsener), verkehrt aber nach festgelegtem Zeitplan. Verpasst man also auf einer der Inseln seinen Anschluss, muss man bis zur nächsten Fähre warten. Und das kann mitunter über eine Stunde dauern.

Wenn ich mich schon mal zu den Reichen und Schönen aufmache, gönne ich mir ein privates Taxi. Soviel Luxus muss sein. Die Reichen und Schönen sind in diesem Falle die Familie Borromeo. Nicht nur, dass sich ihr Engagement nach wie vor stark an der Entwicklung des Lago Maggiore orientiert. Auch der Adelstitel scheint nicht ganz so angestaubt wie bei anderen europäischen Adelsfamilien. Erst 2015 heiratete Beatrice Borromeo den jüngsten Sohn von Caroline von Monaco. Und ganz stilecht heirateten sie nicht irgendwo. Natürlich wurde sich auf der Isola Bella das Ja-Wort gegeben. Ist schon praktisch, so eine Insel samt Palast sein Eigen nennen zu können.

Herrschaftlich, idyllisch, einladend – die Isola Madre vom Wasser aus.
Herrschaftlich, idyllisch, einladend – die Isola Madre vom Wasser aus.

Von Baveno zur Isola Madre

Doch zuallererst schaue ich mir die Isola Madre an, was die größte und abgelegenste der drei zugänglichen Inseln ist. Sie beherbergt einen englischen Garten, der nicht nur als grandioses Beispiel italienischer Gartenbaukunst gilt, sondern obendrein auch noch zu den ältesten Botanischen Gärten Italiens zählt. Wobei er das nicht immer war. Ursprünglich wurden auf der Insel Zitronen in einem typisch italienischen Terrassenstil angebaut, bevor sie nach und nach zu dem wurde, was sie noch heute ist. Unter anderem die Sommerresidenz der Familie Borromeo. Weithin sichtbar thront der Palast über dem Geschehen und versprüht toskanisches Flair inmitten des Lago Maggiore. Quasi mediterraner Esprit im Norden des Piemont.

Vielleicht weil der Eintrittspreis in das kleine Paradies auf den ersten Blick recht hoch erscheint, kommt man besonders früh am Morgen oder am späten Nachmittag in den Genuss, den Garten fast für sich allein zu haben. Auch ich schlendere gemütlich, aber vor allem ungestört zwischen Palmen und Zitronen, Kakteen und bunten Vögeln. Die picken friedlich im Gras und lassen sich von mir dabei nicht stören. Immer wieder tauchen bunt gefärbte Federkleider zwischen grün-gelben Sträuchern auf, die mich neugierig machen und zuweilen bis an die Pforte des Palazzo Borromeo begleiten.

Auch der ist, solange die Familie nicht ihre Ferien in ihm verbringt, zu besichtigen und beherbergt, neben einer Galerie samt wundervollen Wandteppichen, ein durchaus auch für Kinder interessantes Marionetten-Museum. Angeblich gehört die ausgestellte Sammlung zu den umfangreichsten und besterhaltenen der Welt. Wer hin und wieder mit Kinderaugen durch Museen schlendern mag, wäre hier somit goldrichtig. Nur die letzte Fähre setzt dem Bummel dann ein Ende. Verpasst man sie, muss man wohl oder übel auf der Insel und damit im Freien übernachten. Ehrlich gesagt gibt es schlimmere Orte als diesen, um das zu tun.

Weiter geht es zu Wasser auf die Isola Bella.
Weiter geht es zu Wasser auf die Isola Bella.

Von der Isola Madre auf die Isola Bella

Von der Isola Madre ist es ein Katzensprung zur nächsten Insel – der Isola Bella, auch „die Schöne“ genannt. Nähert man sich ihr von der Isola Madre aus, kommt man nicht umhin, den am nördlichen Ende thronenden Palast mit dem Bug eines Schiffes zu vergleichen. Mir deucht, das scheint beabsichtigt. Wie ein übergroßer Tanker strömt er mir entgegen und entpuppt sich erst in der Annäherung als Palazzo Borromeo Nummero Due des heutigen Tages. Und weil er so mächtig und demonstrativ ins Auge springt, gebe ich meiner Neugier nach und statte ihm diesmal einen Besuch ab. Bereits 2014 war ich auf dieser Insel, habe aber das beste damals versäumt und muss meinen ehemals gewonnenen Eindruck revidieren.

Auch hier ist der Eintrittspreis happig, weiß mich aber mit zweierlei Argumenten zu überzeugen. Zum Einen ist in ihm die Gemäldegalerie Berthier untergebracht. Die haut mich – wie nicht anders zu erwarten – mit ihren mehr als 130 Gemälden förmlich aus den Socken. Originale und Kopien so großer Meister wie Raffael, Correggio und Tizian können in der Ausstellung aus nächster Nähe bestaunt werden. Das lässt mein Herz für Kunstgeschichte nochmal ganz neu aufflammen.

Dieser Garten ist eine Wucht

Zum Anderen versteckt sich hinter dem Palazzo Borromeo und vom Wasser aus fast unsichtbar, einer der schönsten und prachtvollsten Barock-Gärten, die ich je sah. Kommt man nämlich vom Rundgang durch den Palast an die frische Luft und steigt die kurze, schmale Treppe empor, zeigt sich bei jedem Schritt wahre Schönheit in Vollendung. Und die knockt mich doch glatt das zweite Mal aus. Skulpturen aus Marmor, penibel gepflegte Wege und mit viel Liebe zum Detail angelegte Pflanzungen rauben mir schlichtweg den Atem. So etwas Formvollendetes habe ich hier so gar nicht erwartet. Das muss ich mir in aller Ruhe und vor allem viel Muße antun. Apropos: man darf sich allerdings nicht an ausuferndem Kitsch stören. Der gehört zum Barock nunmal genauso dazu, wie riesige Springbrunnen und skulpturale, halbnackte Körper.

Beinahe vierhundert Jahre lang haben Architekten, Landschaftsgärtner und Stuckateure aus einem groben Stein im See, der vormals nur von Fischern bewohnt war, dieses opulente, herrschaftliche Anwesen geschaffen. Und nun darf ich durch dieses real existierende Finale schreiten. Vorbei an einem riesigen und fast zweihundert Jahre alten Kampferbaum führt mich der Weg zum Teatro Massimo, einem Denkmal zu dessen Füßen weiße Pfauen recht beeindruckend ihr Rad schlagen. Mir scheint, das hier ist nicht nur der Besuch eines englischen Gartens, das hier ist eine Zeitreise. Zurück in eine längst vergangene Welt, die viele fleißige Hände noch heute am Leben halten.

Zur letzten der drei Inseln Borromeo – Isola dei Pescatori

Die letzte der drei Inseln gehört zwar auch zum Besitz der Familie Borromeo, ist aber die einzige, die nicht vom Adel bewohnt wird. Seit dem 12. Jahrhundert wird Fischfang auf ihr betrieben. Später wurde der noch um die Errungenschaft des Tourismus ergänzt und steht heute Besuchern und Einwohnern gleichermaßen offen. Während die nordwestliche Allee nach wie vor zum Angeln, Entspannen und Baden einlädt, kann am südlichen Ende flaniert werden. Quasi La Dolce Vita in vollsten Zügen. Stilechte Restaurants und Souveniershops laden zum Verweilen ein und lassen die Zeit vergessen.

So geht es auch mir. Ein ereignisreicher Tag neigt sich dem Ende, der zudem erneut sommerlich heiß war. Im letzten Licht des Tages springe ich noch einmal in den See und verpasse fast das letzte Taxi. Je nach Bedarf legt es auch spät nachts aller halben Stunden an und wieder ab. Denn erst wenn die letzte Fähre alle Tagesbesucher wieder zurück in die Hotels der Umgebung gebracht hat, ist man mit den Einheimischen und ihrer Insel allein. Herrlich.

Für Romantiker: mit einem kühlen Glas Weißwein in der Hand dem Sonnenuntergang hinter den Bergen Bavenos von der Isola Bella aus zusehen...
Für Romantiker: mit einem kühlen Glas Weißwein in der Hand dem Sonnenuntergang hinter den Bergen Bavenos von der Isola Bella aus zusehen…

Essen & Trinken auf den borromäischen Inseln

Isola Madre
Auch wenn die Isola Madre die größte der Inseln ist, gibt es auf ihr lediglich ein kleines Café. Das ist dafür aber bezaubernd schön und inmitten des idyllischen Gartens gelegen.
Öffnungszeiten: täglich von 9:30 bis 18 Uhr

Isola Bella
Auf der Isola Bella gibt es eine kleine Auswahl italienischer Küche. Besonders jedoch ist der Blick von der Terrasse im 1. Stock des Ristolounge Elvezia. Chefkoch Diego & sein Team zaubern innovative Kreationen mit unerwarteten Geschmackskombinationen. Die Zutaten kommen entweder aus dem Lago Maggiore oder dem nahegelegenen Ossola Valley.
Ganz nebenbei ist das Elvezia ein Boutique Hotel mit geschmackvoll eingerichteten Zimmern.

Isola dei Pescatori
Die letzte der drei Inseln beherbergt das Belvedere, ein Hotel mit angeschlossenem Restaurant. Der Blick von der Terrasse über den See ist magisch und der perfekte Abschluss für einen romantischen Tag.
Öffnungszeiten: von Mitte März bis Anfang November ganztägig geöffnet

Hin & Zurück

Von Baveno aus gibt es das Wassertaxi oder die Personenfähre. Während letztere nach festem Zeitplan verkehrt, ermöglicht erstere ein etwas unabhängigeres Vergnügen.

Wassertaxi – Infos & Kosten

Fähre – Infos & Kosten

Auch wenn es Rundfahrten gibt, die einen Besuch aller drei Inseln in nur fünf Stunden versprechen, sollte man sich die Zeit für individuelle Freiräume nehmen. Jede der drei Inseln ist von solch wunderbarer Schönheit, dass man sogar überlegen sollte, auf einer davon zu übernachten. Gerade wenn die Tagesbesucher weg sind, lernt man die Inseln nochmal von einer ganz anderen Seite kennen. Das aber nur als kleiner Tipp am Rande.


NOCH MEHR INFOS gibt es auf der Webseite des Tourismusbüros von Baveno am Lago Maggiore.

Hinweis in eigener Sache (Disclaimer)
Meine hier beschriebenen Eindrücke durfte ich im Rahmen einer Pressereise sammeln, eingeladen und veranstaltet von Maggioni Tourist Marketing. Dabei sind mir Anreise, Unterkünfte und Verpflegung zur Verfügung gestellt worden, wofür ich mich recht herzlich bedanken möchte. Auf meine abschließende Meinung oder redaktionelle Freiheit wurde keinerlei Einfluss genommen. Diese entspricht ausschließlich meiner persönlichen Sicht.

Informationen

Sven Becker
Sven Becker
In Dresden aufgewachsen, in Berlin eine neue Heimat gefunden, starte ich von hier in die Fremde. Mal mit Rucksack, mal ohne. Mal in die Berge, mal an den Strand. Aber immer mit offenen Augen. Denn Abenteuer gibt es an jeder Ecke...

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