Vom Kleinen auf den Großen Falkenstein – Rundwanderung

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Am Zwieseler Waldhaus startet eine Rundwanderung die vom Kleinen auf den Großen Falkenstein führt und durch abwechslungsreiche Vegetation mit wunderbaren Ausblicken führt. Ein Wanderbericht.

Hatten wir die letzten Tage Glück mit dem Wetter, schlug es über Nacht merklich um. Wanderten wir gestern und vorgestern noch bei angenehmen Temperaturen und leichter Bewölkung, zog der Himmel in der Dämmerung zu und bleibt heute Morgen grau und verhangen. Was aber gar nicht schlimm ist. Denn bereits am Anfang der Rundtour vom Kleinen auf den Großen Falkenstein geht es steil bergauf und kommen mein Bruder und ich schonmal auf den Vorgeschmack, was uns die nächsten Kilometer noch erwarten wird. Schwitzen sollte da unser kleinstes Problem sein. Aber ich greife vorweg.

Schon heute durch den Urwald von morgen wandern

Zwieseler Waldhaus – Großer Falkenstein (1.315m) – Zwieseler Waldhaus (12km)

Startpunkt der Wanderung ist das Zwieseler Waldhaus, by the way – ja, ich weiß, ich wiederhole mich – das älteste Gasthaus im gesamten Bayerischen Wald. Das ist insofern interessant, da es (fast) noch original erhalten ist und genau den Charme versprüht, den ich an Bayern so lieb gewonnen hab. Von der Aussprache mal abgesehen. „Pfiat‘ di“ würde man wahrscheinlich in Sachsen als „Verfatz Dich“ verstehen, was genau genommen das Gegenteil bedeutet. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wir starten also genau hier unsere Wanderung, die anfänglich ganz gemütlich durch dichten Urwald und damit direkt ins Herz des Nationalparks Bayerischer Wald führt. Außer der Pflege bereits existierender Wanderwege wird hier, wie in anderen Naturparks auch, nicht mehr in die Waldbeschaffenheit eingegriffen. Fällt ein Baum, bleibt er einfach liegen. Außer er fällt auf einen Weg. Dann wird lediglich der Weg geräumt, der Rest das Baumes bleibt unangetastet. Und das hat über die Jahrzehnte zu einem erstaunlich dichten Wald geführt, der nicht nur Rotwild und Luchs sondern mittlerweile auch wieder Wölfen eine undurchdringliche Heimat bietet.

Erste kurze Rast direkt vor dem Gipfel des Kleinen Falkensteins
Erste kurze Rast direkt vor dem Gipfel des Kleinen Falkensteins

Aufstieg in Richtung Kleiner Falkenstein (1.190m)

Doch schon am Abzweig Schillerweg, der nebenbei auch einen kostenlosen Parkplatz bietet und somit eine Anreise unabhängig vom ÖPNV ermöglicht, wird klar: ab hier ist‘s vorbei mit der Gemütlichkeit. Steil führt die unbefestigte Forststraße bergan. Wenig später verlassen wir diese und zweigen in den Adamsweg ab, einen Trampelpfad der vornehmlich über Felsen und Wurzeln führt, nur um noch steiler zu steigen.

Aber nein, man muss kein Bergsteiger sein, um den Kleinen und Großen Falkenstein zu erklimmen. Man sollte aber auch keine Furcht vor 4 Kilometern Wanderweg strikt bergan haben. Denn eines ist klar: auf genau dieser Strecke werden auch alle 600 Höhenmeter erklommen, die es braucht, um vom Zwieseler Waldhaus auf den Großen Falkenstein zu gelangen. Dafür führt der Weg durch unterschiedlichste Waldarten und ist gesäumt mit fantastischen Ausblicken in Richtung Großer Arber. Und ja, wem das zu anstrengend ist, der kann auch der anfänglichen Forststraße folgen. Die führt in Serpentinen ebenfalls auf den Gipfel und vor allem etwas gemäßigter bergan. Die ist dann aber auch nochmal zwei Kilometer länger.

Wie aus dem Nichts tauchen plötzlich Sandsteinfelsen auf. Für einen kurzen Moment fühle ich mich in meine Heimat versetzt und wage die Kletterei hinauf. Denn die lohnt sich. Nicht nur, dass diese Felsen ohnehin den Gipfel des Kleinen Falkenstein bilden, bieten sie ganz nebenbei auch noch eine fantastische Aussicht. Tief hängende Wolken, die grau und langsam über sanft geschwungene Bergkuppen ziehen. An den Felshängen beugen sich Gräser und rauschen Blätter der spärlich gewachsenen Bäume im aufkommenden Wind. Da wir allein sind vergessen wir uns einen Moment in der Ruhe. Und tanken Energie. Was habe ich das die letzten Monate vermisst.

Ziel: Großer Falkenstein (1.315m)

Vom Kleinen Falkenstein sind es nur noch wenige Katzensprünge auf den Großen. Dafür aber auch noch einmal 150 Höhenmeter mehr. Doch hat man diese geschafft, verspricht das Gasthaus unterhalb des Gipfels, welches frisch renoviert mit einer großen Außenterrasse zum Verweilen einlädt, die perfekte Aussicht für eine ausgedehnte Rast. Die Mischung aus uriger Gemütlichkeit, frischem Holz und einer Prise Beton ist zwar bestimmt nicht jedermanns Sache. Aber ich mag das ja ganz gern. So rein architektonisch gesehen.

Direkt daneben führt ein Trampelpfad auf die Felsen und damit auf den Gipfel des 1.315m hohen Großen Falkenstein. Den man sich keinesfalls entgehen lassen sollte. Stilecht mit Gipfelkreuz und allem Pipapo ist die Aussicht großartig und bietet Fotobegeisterten wie mir, unzählige Eindrücke, die es festzuhalten gilt. Einfach nur traumhaft.

Da wir nicht den gleichen Weg wieder zurück wandern wollen, haben wir uns bereits im Vorfeld einen anderen für den Rückweg rausgesucht. Entlang des Kammwegs führt dieser über eine Freifläche, auf der zwar noch ein paar abgestorbene Baumstämme stehen, aber sonst nur niedrig gewachsene Büsche und Gräser den Weg säumen. Diese Mischung aus sattem Grün und grauen Wolken, die irgendwie immer grauer werden, gemischt mit einer Prise unerwarteter Wirklichkeit macht uns sprachlos. Mystisch schön dieser Ruckowitzberg und sein Windwurf. Auch wenn die Hinweistafel zu verstehen gibt, dass diese Fläche nicht natürlichen Ursprungs, sondern dem Sturm Kyrill im Jahre 2007 zu verdanken ist. Traurig schön das Ganze.

Verwunschener Wald auf dem Gipfel des Großen Falkensteins
Verwunschener Wald auf dem Gipfel des Großen Falkensteins

Zurück über den Ruckowitzschachten

Im Bayerischen Wald heißen für die Holzflößung angestaute Seen Schwelle oder Klause, Wiesen dagegen tragen den Namen Schachten. Über den am Ruckowitzberg, der dann auch folglich Ruckowitzschachten heißt und größtenteils mit (zur Zeit noch unreifen) Blaubeeren bewachsen ist, beginnen wir den Weg zurück ins Tal. Auch wenn in der Ferne bereits erste Gewitter grollen, gönnen wir uns noch eine ausgedehnte Rast. Soviel Fernsicht muss einfach ausgekostet werden.

Vom Ruckowitzschachten führt der Weg dann auch ziemlich schlagartig wieder in dichten Wald. Das hat zum einen den Vorteil, dass der gerade einsetzende Nieselregen uns noch nicht ganz erwischt. Der Nachteil besteht allerdings darin, dass wir nun auch nicht mehr sehen, was da wirklich auf uns zukommt. Doch für den Moment stört uns das wenig. Wir sind seit dem Gipfel nun wieder allein unterwegs und genießen die Ruhe.

Auch wenn die Landschaft ganz wunderbar ausschaut: Kyrill ist Schuld

Vom Gewitter erwischt: Ausharren bei strömendem Regen

Das Schöne an Sommergewittern ist ja, dass sie sich phasenweise ankündigen. Das ursprünglich ferne Grollen und Donnern wird immer lauter und aus dem vormals lauen Lüftchen wird ein auffrischender Wind. Der markiert dann meist auch den Beginn. Doch kurz bevor es so richtig losgeht, wird es schlagartig für einen ganz kurzen Augenblick ruhig. Das Rauschen und Quietschen im Geäst der Bäume lässt nach und auch die Vögel hören auf zu zwitschern. Eine trügerische Stille. Danach beginnt dann meist der Weltuntergang.

Wir haben es leider nicht ganz bis zur nächsten Schutzhütte geschafft und werden so richtig schön nass. Die letzten Meter rennen und stolpern wir mehr als dass wir wandern. In der Schutzhütte angekommen, die ungefähr auf der Hälfte des Rückwegs liegt, warten bereits ein Rentnerpaar aus dem Ruhrpott („Wir sind Wikinger!“) und gesellt sich wenige Minuten später noch eine ebenfalls durchnässte Wandergruppe aus dem südlichen Bayern zu uns („Ja, mei! Desch is a Gaudi.“). Jetzt wirds gemütlich und die empfohlenen Abstandsregeln sind auf den 6 Quadratmetern nur noch schwer einzuhalten. Dafür haben wir jetzt genug Zeit, uns auszutauschen und einander bekannt zu machen. Das Gewitter hat nämlich vor, sich in den Bergen festzuhängen. Was erfahrungsgemäß eine Weile dauern kann.

Da ich aber keine Lust habe, eine Stunde oder mehr in dem viel zu kleinen Schutzhaus auszuharren, überrede ich meinen Bruder, weiterzugehen. Wir zwängen uns noch immer etwas klamm in unsere Schutzkleidung und laufen im prasselnden Regen einfach weiter. Auch wenn mein Bruder immer wieder zu bedenken gibt, dass weitere 15 Minuten warten uns vielleicht trocken ans Ziel gebracht hätten, genieße ich das Trommeln auf der Kapuze, die frische, saubere Luft und bin dankbar für dieses kleine Abenteuer. Erinnerungen an unsere total verregnete Wanderung in den Slowenischen Alpen werden wach und … ja, ich genieße dieses Wetter. Ich mag es sehr, bei Regen und Wind zu wandern. Und tue mich schwer damit, zu verstehen, warum andere das so grundsätzlich ablehnen.

Bayerischer Urwald – ziemlich dicht und ziemlich nass

Zurück am Zwieseler Waldhaus

Das was ich so gar nicht mag, ist es, wenn mein Bruder Recht behält. Nach knapp 15 Minuten beruhigt sich das Gewitter und hört der Regen langsam wieder auf. Das Grollen ist weitergezogen und tönt nur noch leise hinter dem Großen Falkenstein. Das, was jetzt noch von oben herabfällt, sind letzte Tropfen, die sich von den Blättern der Bäume lösen. Wenig später kommt auch schon wieder die Sonne durch, was zeitlich ganz wunderbar passt. Der Wanderweg endet nämlich genau auf der Außenterrasse des Zwieseler Waldhaus. Ein abschließendes Bier in der Sonne, um Haut und Kleidung wieder zu trocknen, bildet somit den krönenden Abschluss dieser Wanderung. Hervorragend!

Informationen

Sven Becker
Sven Becker
In Dresden aufgewachsen, in Berlin eine neue Heimat gefunden, starte ich von hier in die Fremde. Mal mit Rucksack, mal ohne. Mal in die Berge, mal an den Strand. Aber immer mit offenen Augen. Denn Abenteuer gibt es an jeder Ecke...

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