Durch’s Lausitzer Gebirge – Tag 4

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Der nächste Morgen: vereinzelt Vogelgezwitscher, leiser Regen. Wir werden vom steten Tropfen an der Dachrinne direkt vorm Fenster wach. Noch hängen die Wolken zwar tief zwischen den Felsen, aber die Sonne gibt sich Mühe und hat nun mitten im Sommer genügend Kraft, um das Wetter innerhalb weniger Minuten sich wechseln zu lassen. Und so scheint sie nach einem ausgiebigen Frühstück warm und einladend, so dass wir gegen 9 Uhr morgens auch schon wieder auf dem Weg sind.

Der nächste Morgen: vereinzelt Vogelgezwitscher, leiser Regen. Wir werden vom steten Tropfen an der Dachrinne direkt vorm Fenster wach. Noch hängen die Wolken zwar tief zwischen den Felsen, aber die Sonne gibt sich Mühe und hat nun mitten im Sommer genügend Kraft, um das Wetter innerhalb weniger Minuten sich wechseln zu lassen. Und so scheint sie nach einem ausgiebigen Frühstück warm und einladend, so dass wir gegen 9 Uhr morgens auch schon wieder auf dem Weg sind.

Hat auch schon bessere Zeiten gesehen: an der Jungferntanne bei Na Tokani.
Hat auch schon bessere Zeiten gesehen: an der Jungferntanne bei Na Tokani.

Von Na Tokáni nach Mikulášovice (20km)
Wenige Meter hinter Na Tokáni sind wir auch schon wieder allein unterwegs. Der Pfad führt uns immer auf gleicher Höhe bleibend rund um den Vosí vrch, den Wespenberg, immer tiefer durch die Sandsteinfelsen, bis wir an der Abzweigung zur Jungferntanne ankommen. Der Sage nach soll an dieser eine Jungfer Schutz vor ihrem Verfolger gefunden haben und eben jene seither ihr Antlitz tragen. Sich das zu Überzeugen dürfte schwer fallen, denn die ursprünglich namengebende Tanne fiel einem Sturm zum Opfer und wurde erst vor ein paar Jahren wieder neu gepflanzt. So können auch zukünftig Jungfrauen hier möglichen Schutz finden.

Vielleicht ein Teufelskopf, vielleicht ein Fisch, ein Wal. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Vielleicht ein Teufelskopf, vielleicht ein Fisch, ein Wal. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Vorbei an auffälligen Felsformationen folgen wir der Wegmarkierung hinunter in Richtung Černá brána und damit in die Schluchten des Gebirges. Dieses „Schwarze Tor“ wird von herabgefallenen Steinen geformt und ist dem im Uttewalder Grund sehr ähnlich. Jedoch bildete es über viele Jahre hinweg die Grenze zwischen der Tschecheslowakei und der DDR und war damit für den Wanderer gesperrt. Nur Grenzer oder Schmuggler versuchten hier ihr Glück. Da die Grenze aber mittlerweile nur noch obligatorisch existiert, wagen wir uns durch das Felsentor hindurch, waten barfüßig durch die Kirnitzsch, nur um auf der anderen Uferseite den alten Pfad, der mittlweile zugewuchert ist, wieder auf den markierten Wanderweg hinauf zu kraxeln.

Auf dem Weg zum Weifberg überkommt mich das Gefühl, endlich wieder zu Hause zu sein.
Auf dem Weg zum Weifberg überkommt mich das Gefühl, endlich wieder zu Hause zu sein.

Diesem folgen wir in Richtung Kirnitzschklamm und lassen uns zur Erholung einige Meter mit dem Kahn befördern. Auf dem Wasser inmitten der Felsen ist es angenehm kühl, da die Sonne mittlerweile ihrem hochsommerlichen Ruf mehr als gerecht wird. An der nördlichen Anlegestelle tummeln sich die Tagestouristen in einer ziemlich langen Schlange, so dass ich hiermit die offizielle Empfehlung ausspreche, die Tour auf keinen Fall von dort zu starten.

Wir folgen von nun an der roten Markierung, die uns an so illustren Orten wie der Niedermühle, der Obermühle (Achtung: Restaurant Mittwochs geschlossen) und der Schäferräumicht (Achtung: gar kein Restaurant mehr) ohne Pause vorbei führt. Die genehmigen wir uns etwas später auf dem Aussichtsturm des Weifberg. Der ist hoch genug, so dass er einen tollen Rundumblick, unter anderem auch auf unser Tagesziel Mikulášovice, bietet.

Auf dem Weifberg (478m) genießen wir weite Blicke. Bei besonders guter Sicht sogar bis zum Isergebirge.
Auf dem Weifberg (478m) genießen wir weite Blicke. Bei besonders guter Sicht sogar bis zum Isergebirge.

Der Weg folgt von nun an einer kleinen asphaltierten Forsttrasse, auf der uns ein greiser Bauer auf seinem betagten dreirädrigen Gefährt entgegenkommt. Auf dem Anhänger thront seine mindestens genauso alte Gefährtin. Wie sich herausstellt hat hier – wieder zurück im tschechischen Teil – bereits die Kartoffelernte begonnen.

Wenig später kommen wir am Ortseingang an und nutzen das dort befindliche Schwimmbad, um eine weitere Pause einzulegen. Mittlerweile ist es Nachmittag und die Temperaturen haben sich bei angenehmen 25 Grad eingependelt. Kinder toben im Wasser, Jugendliche spielen Fußball und vereinzelt wagen sich neugierige Enten in ihre Nähe. Ein kleines Paradies direkt hinter der Grenze.

Muss mal mächtig was los gewesen sein, zu Zeiten des Kalten Krieges. Selbst über ein Kino verfügte Mikulášovice dereinst. Doch heute – wie vieles in dieser Ortschaft – nur noch Ruine.
Muss mal mächtig was los gewesen sein, zu Zeiten des Kalten Krieges. Selbst über ein Kino verfügte Mikulášovice dereinst. Doch auch dieses – wie vieles in dieser Ortschaft – nur noch Ruine.

Da wir auch heute unsere Übernachtung, wie alle anderen der letzten Tage ebenfalls, nicht im Vorfeld gebucht haben, finden wir Unterschlupf in einer ehemaligen Jugendherberge. Diese wird im Sommer von Schülern des Ortes in ihren Ferien betrieben. Und so fühlen wir uns auch. Nachdem wir unser Zimmer im Obergeschoss bezogen haben und zum Duschen die Räumlichkeiten zwei Türen weiter aufsuchen müssen (die Toilette wäre dann die Tür schräg gegenüber), scheint diese Wanderung auch irgendwie eine Zeitreise zu sein. Zurück in die Jugendtage des Sozialismus, als gemeinschaftliches Miteinander scheinbar wichtiger war, als Individualität. Auch beim Rundgang durch den Ort stoßen wir auf viele Relikte: verlassene Häuser, graue Fassaden, ein verwittertes Kino. Hinterlassenschaften einer Zeit, die wohl nie mehr zurück kommen wird. Ein kühles Bier in der untergehenden Abendsonne lässt den Tag ausklingen und erschöpft aber zufrieden ob der letzten Tage finden wir erst viel zu spät den verdienten Schlaf.

Wandern im Lausitzer Gebirge:
Durch das Lausitzer Gebirge — Tag 1
Durch das Lausitzer Gebirge — Tag 2
Durch das Lausitzer Gebirge — Tag 3
Durch das Lausitzer Gebirge — Tag 4
Durch das Lausitzer Gebirge — Tag 5

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Geschrieben von

Sven Becker

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Durch’s Lausitzer Gebirge – Tag 5

Wehmütig starten wir in den letzten Tag auf unserer Wanderung durchs Lausitzer Gebirge. Heute Nachmittag ist schon wieder alles vorbei, müssen wir zurück in den Alltag. Doch noch liegt eine Etappe vor uns und die wollen wir in vollen Zügen genießen. So schlendern wir anfangs gemütlich und ohne Hast durch Mikulášovice und lassen uns noch einmal vom sozialistischen Verfall beeindrucken. Wie schade, das fast alle grenznahen Ortschaften, die wir in den letzten Tagen durchquerten, ein Bild des Abschieds bieten. Aber vielleicht auch passend zur heutigen Stimmung. Oder vielleicht umgekehrt?

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Durch’s Lausitzer Gebirge – Tag 3

So gut schlief ich selten in einem Bett, das kürzer ist, als ich. Die ruhige Umgebung, das köstliche Mal und die frische Landluft trugen ihres dazu bei, mir und uns eine angenehme Nacht zu bescheren. Auch die Sonne schiebt sich schon frühzeitig durch die Bäume und verspricht bestes Wanderwetter. Immer noch bin ich mit meinem Bruder unterwegs und freue mich über jeden einzelnen Tag. Nicht nur der Gespräche wegen, sondern auch aus Freude, endlich wieder wandern zu können, unterwegs zu sein. Zu selten lässt der Alltag das zu. Und immer öfter vermisse ich es schmerzhaft. Nach einem herzhaften Frühstück verlassen wir Jedlová und begeben uns weiter auf unserem Weg durchs Lausitzer Gebirge. Nächster Halt: Chřibská.

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Durch’s Lausitzer Gebirge – Tag 2

Es regnet die ganze Nacht. Immer wieder schrecken wir durch taghelle Blitze auf, nur um vom leisen Trommeln des Regens auf dem Dach wieder müde und schläfrig zu werden. Eine unruhige Nacht. Am nächsten Morgen hat das Wetter sich beruhigt, aber die Wolken hängen tief und grau über der feuchten Erde. Wie gerädert quälen wir uns aus den Betten, nur um nach einem zünftigen Frühstück – komplett Böhmisch: Leberwurst auf Hörnchen — den zweiten Tag unserer Wanderung durchs Lausitzer Gebirge in Angriff zu nehmen. Die mittlerweile getrocknete Regenkleidung benötigen wir zwar nicht, aber einladendes Wanderwetter sieht irgendwie anders aus.

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