„Die Rote Wand“ von David Pfeifer

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Wie eine natürliche Grenze ragen die Berge hinter Sexten in den Himmel. Hier verlief 1915 die Grenze zwischen Österreich-Ungarn und Italien. Eine Front, die im Ersten Weltkrieg Schauplatz eines erbitterten Stellungskriegs wurde. David Pfeifer erzählt in seinem eindrucksvollen Roman „Die Rote Wand“ eine Geschichte des Dolomitenkriegs. Ein Buchtipp.
Ausblick aus einem Bunker an der Sextner Rotwand
Ausblick aus einem Bunker an der Sextner Rotwand

Wer in den Bergen von Südtirol wandert, ahnt normalerweise nicht, dass er auf Wegen geht, die einst für den Ersten Weltkrieg angelegt wurden. Ebenso überraschend ist die Geschichte des jungen Mädchens, das sich im Alter von 15 Jahren als Mann getarnt unter die Standschützen mischte und fast zwei Jahre in den Sextner Dolomiten diente, ab Dezember 1916 sogar an der Front. Sie war ihrem Vater in den Gebirgskrieg gefolgt. Die beiden mussten, wie viele Soldaten, eine Grenze verteidigen, die sich der Natur unterzuordnen hatte.

Die Sextner Dolomiten und der Erste Weltkrieg

In einem erbitterten Stellungskrieg kämpften die Soldaten hier auf Felsvorsprüngen, Gipfeln, auf Skiern, mit Stichmessern, Karabinern und Handgranaten. Die Unwirtlichkeit der Umgebung war dabei ihr größter Feind. Ihre Geschichte erzählt David Pfeifer in seinem neuen Roman „Die Rote Wand“, der am 10. August 2015 bei Heyne erschien.

„Der Krieg gehört nicht her“, sagt Tschurtschenthaler schließlich laut und klar. Die anderen verstummen. „Ist so schon schwer genug, gegen die Berge anzukommen.“

Begleitend dazu gibt es – und das ist bisher einmalig – eine kostenlose App, die mit ausführlichen Beschreibungen, 3D-Karten und jeder Menge Bildmaterial in die Materie vertieft und dadurch die Geschichte ganz nah an der Realität verortet. Eine absolute Bereicherung! Den kostenlosen Download gibt es im App Store oder bei Google Play.

Mein Eindruck vom Buch

Ich gebe es zu: ich hatte anfänglich meine Mühe. Der Schreibstil gleicht eher einer Reportage, ist nüchtern, stark beobachtend. Auch dass der Name der Hauptfigur – des Mädchens – nie genannt wird, scheint die sprachliche Vielfalt etwas einzuschränken. Aber liest man sich in die ersten Seiten und lässt sich auf die zum Teil sehr zurückhaltende Sprache ein, entfaltet der Roman seine ganze emotionale Wucht, seine ganze Kraft. Und nimmt am Ende gefangen. Berührend wird die Protagonistin immer vertrauter und fiebert man letzten Endes mit ihr. So entsteht unmerklich im Laufe der Kapitel eine sehr reale Beschreibung des Ersten Weltkriegs in den Dolomiten, führt den Leser authentisch an Handlungsorte und fesselt ihn mit einer spannenden Geschichte bis zur letzten Seite. Erst dort wird aufgeklärt, dass dem Roman eine reelle Person zu Grunde liegt und dieser damit fast schon wie eine Dokumentation wirkt. Das ist toll gelöst und ich bin froh, meine anfängliche Skepsis aufgegeben zu haben. Für zwischendurch ist dieses Buch jedoch nichts. Es will in Ruhe und mit Muße gelesen werden. Denn letztlich verdient es das auch. Und mit der App sind kurzweilige Lesestunden garantiert.

Der Autor. David Pfeifer, Österreicher, Jahrgang 1970, ist in München aufgewachsen. 1993 zog er nach Hamburg, um für das legendäre Magazin Tempo zu arbeiten. Weitere Stationen waren der Stern und Vanity Fair. Seit 2014 ist er leitender Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung. Die Rote Wand ist sein dritter Roman. Er lebt heute wieder in München.


„Die Rote Wand“
von David Pfeifer
Erschienen im Heyne Verlag

288 Seiten | ISBN 978-3-453-26961-3
€ 19,99 [D] | €20, 60 [A] | sFr 26,90

Vielen Dank an den Heyne Verlag für die Zur­ver­fü­gung­stel­lung des Rezensionsexemplars.

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