Auf Entdeckung in Kalabrien – Capo Vaticano & Monte Poro

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Wie fast überall in Kalabrien beginnt die Reise mit einer Sage. Verwoben mit mediterranem Flair gilt es Klippen am Capo Vaticano und alte Kirchen in Monte Poro zu bestaunen. Eine Entdeckungsreise.
Capo Vaticano
Capo Vaticano mit Blick in Richtung Joppolo

Dereinst gab es eine wunderschöne und von jedem Manne und Weibe bewunderte Frau. Ihr Name: Canfora. Sie war bei allen beliebt, von jedermann geschätzt und sah hinreißend, wenn nicht gar umwerfend aus. Wir würden heute vermutlich sagen: ein richtig heißer Feger. Doch zu jener Zeit hatten die Sarazenen in Kalabrien das Sagen und offenbar keine Muße für derlei Eigenschaften. Wie ein Sarazene das nun einmal so macht, wenn er etwas haben will, aber nicht freiwillig bekommt: er nimmt es sich einfach. Haben die mit Spanien übrigens genauso gemacht. Doch Canfora wollte nicht, sträubte sich, rebellierte und floh. Am westlichsten Kap Kalabriens wurde sie schließlich von ihren Verfolgern in die Enge getrieben und da sie offenbar keinen anderen Ausweg mehr sah, sprang sie von den Klippen ins Meer und stürzte in den sicheren Tod. Seitdem glitzere das Meer in ihren Lieblingsfarben Azur und Türkis. Erzählen sich zumindest die Kalabrier. Na, schau’n mer einfach mal…

Am Vatikan-Kap, dem Capo Vaticano

Der eigentliche Name dieses Kaps hat leider rein gar nichts mit der bezaubernden Canfora und auch erst recht nichts mit dem Sitz des katholischen Oberhaupts zu tun. Sondern, ganz einfach, mit den vati, Propheten die an diesem Ort lange Zeit lebten und vorbeifahrenden Seefahrern ihre Zukunft prophezeiten. Doch, diese gibts nicht mehr. Dafür kann man auf einem kleinen Wanderweg an der Nordwestküste bezaubernde Blicke auf kleine Sandbuchten, verschwiegene Strände und haushohe Felsen werfen. Dieser Weg endet nach ca. 1,5 km unterhalb eines Leuchtturmes, der auch schon mal bessere Zeiten gesehen hat. Der Rückweg, ganz bis zur Straße gegangen, endet wiederum an einem kleinen Café/Imbiss, in welchem man den wirklich herrlichen Ausblick bei einem Espresso unter schattenspendenden Bäumen genießen kann. Und siehe da, es funkelt in der Mittagssonne tatsächlich in den Farben Azur und Türkis, arme Canfora.

Madonna del Carmine
Verschwiegen und klein auf dem Gipfel des Monte Poro liegt sie: die Madonna del Poro

Entdeckungen in Monte Poro

Auf dem Weg vom Capo Vaticano in Richtung Nicotera reicht das Vorgebirge des Monte Poro bis an das Meer heran. Immer wieder geht es mit Blick auf die zum Teil bewachsenen Felsklippen der Küste bergauf und -ab, über Kurven durch kleine Schluchten, bis es hinter Joppolo fast unzugänglich wird. Kurz davor zweigt der Weg ab und führt in steiler Weise und unzähligen Serpentinen hinauf zum Monte Poro. Schwindelfrei sollte man sein, die Ausblicke sind tief und weit.

Doch nach gefühlten Stunden in der sengenden Hitze ist es dann geschafft. Auf dem Gipfel wird man von dicht stehenden Bäume empfangen, einem kleinen Wald, unter dessen Dach sich spazierende Rentner sowie Sitzbänke samt Tischen verstecken. Quasi aus 36 C° und brütender Hitze in den Schatten laufend, lassen einen die geschätzten 22 C° frösteln.

Manchmal ist es nur ein kleiner Schritt und aus einem Schafhirten wird ein Heiliger.

In der Mitte dieses extra angelegten Parks versteckt sich eine kleine Kirche, die Madonna del Poro, auch bekannt unter dem Namen Madonna del Carmine. Der Überlieferung zu Folge sei einem Schafhirten beim Nachgehen seiner Tätigkeit, nämlich dem Dösen im Olivenhain, die heilige Madonna an eben dieser Stelle erschienen. Das musste ihn wohl dermaßen beeindruckt haben, dass er fortan Mönch werden wollte. Er zog durch die Lande, um sein Erlebnis zu schildern und bat nebenbei um Unterstützung, für den ihm aufgetragen Kirchenbau an dieser, offenbar heiligen Stätte. Er stieß bei seinen Wanderungen in der Umgebung auf offene Ohren und so konnte mit dem Bau schon 1884 begonnen werden. Sieben Jahre später war er fertig und das Kirchlein wurde am 01. Juli 1894 feierlich eröffnet. Der Name des einstigen Schafhirten: Among Caramel Faldi. Wurde kurz nach seinem Tode übrigens heilig gesprochen. Na also, das nenn‘ ich doch mal eine Karriere!

Geschrieben von

Sven Becker

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