Zur Burgruine Schaumburg

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Hossa, heute wird's geschichtlich. Denn das heutige Wanderziel ist eng verknüpft mit dem namengebenden Adelsgeschlecht. Die Schaumburg, ursprünglich zwar benannt nach dem Berg, auf dem sie stand – dem "Schauenden Berg" – gehörte aber bereits 1180 in ihrer urkundlichen Ersterwähnung dem Geschlecht der Schaumberger, einer im thüringisch-fränkischen Raum sehr bedeutenden Familie. Doch dazu später mehr. Denn erst einmal müssen wir uns ja auf den Weg machen.

Hossa, heute wird’s geschichtlich. Denn das heutige Wanderziel ist eng verknüpft mit dem namengebenden Adelsgeschlecht. Die Schaumburg, ursprünglich zwar benannt nach dem Berg, auf dem sie stand – dem „Schauenden Berg“ – gehörte aber bereits 1180 in ihrer urkundlichen Ersterwähnung dem Geschlecht der Schaumberger, einer im thüringisch-fränkischen Raum sehr bedeutenden Familie. Doch dazu später mehr. Denn erst einmal müssen wir uns ja auf den Weg machen.

Der Aufstieg zum Gipfel des Schauenden Berg. Schaumberg.
Der Aufstieg zum Gipfel des Schauenden Berg. Schaumberg.

Und der beginnt in Eisfeld. Genauer am Eisfelder Bahnhof. Von dort führt ein nur spärlich ausgeschilderter Wanderweg in Richtung Streudach, einem Vorort der Stadt. Hier begeben wir uns in den Wald, erklimmen die ersten Höhenmeter, folgen dem Wanderweg entlang der Bahntrasse über Heid bis nach Katzberg und sehen schon bald die ersten Mauerreste zwischen den Baumwipfeln. Die Höhenmeter weiter hinauf, vorbei am Gasthof zu Füßen der Burgruine, stehen wir alsbald inmitten historischer Mauerreste. Denn viel mehr als diese sind von der Burg leider nicht mehr erhalten. Zwar bemüht sich ein Verein mit allen Kräften diese archäologisch aufzuwerten, aber wie überall auch – oder gerade hier: es fehlt am nötigen Geld. Somit bleibt ein romantisches Idyll, welches mit etwas Phantasie ganz prächtig ins Mittelalter entführt.

Nachzeichnung des Grabungsplan der Burgruine Schaumburg bei Schalkau. © Sven Becker
Nachzeichnung des Grabungsplan der Burgruine Schaumburg bei Schalkau. © Sven Becker

Für alle anderen gibt es hier einen kleinen historischen Abriss. Die Schaumberger verlieren die Burg 1323 als Reichslehen an die Henneberger, welche allerdings auch kein glückliches Händchen besitzen und diese nur 30 Jahre später an die Wettiner weiterreichen. Es braucht erst Wilwolt von Schaumberg, dem 1499 der Rückerwerb gelang. Der zeigt nun ganzen Einsatz und baut die Burg zur Festung aus, was sie auch bis zum Dreißigjährigen Krieg bleibt. Ein Brand im Juli 1635 und ein Überfall 1640 setzen ihr so stark zu, dass sie fortan weder für Wehr- noch für Wohnzwecke zu gebrauchen ist. Sie verfällt, wird geplündert, dient als Lieferant für Baumaterial (kenne ich irgendwoher) und ist der zerstörerischen Gewalt von Wind und Wetter ausgesetzt. Erst Anfang der 1990er Jahre wird dem Verfall ein Ende gemacht und dank wissenschaftlicher Ausgrabungen im Auftrag des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie versucht zu retten, was noch zu retten ist.

Wieder ans Tageslicht beförderte Zeitzeugen vergangener Jahrhunderte: der innere Ring der Wallanlage.
Wieder ans Tageslicht beförderte Zeitzeugen vergangener Jahrhunderte: der innere Ring der Wallanlage.

Und genau da stehen wir jetzt. Inmitten thüringer Geschichte, inmitten der Mauerreste von Kasematten, Wohngebäuden, Wehrtürmen. Auch dem eingangs erwähntem Adelsgeschlecht erging es nicht viel besser. Denn im Jahr 2002 starb der letzte männliche Nachkomme, erlosch das Geschlecht. Auch dieses also nur noch Geschichte…

Hinweisschilder geben Auskunft und informieren über vergangene Zeiten. Ein Dank der Interessengemeinschaft Ruine Schaumburg.
Hinweisschilder geben Auskunft und informieren über vergangene Zeiten. Ein Dank der Interessengemeinschaft Ruine Schaumburg.
Ein toller Blick ins Schaumburger Land wird dem gewährt, der bei guter Sicht den Berg hinauf wandert.
Ein toller Blick ins Schaumburger Land wird dem gewährt, der bei guter Sicht den Berg hinauf wandert.

Direkt zu Füßen der Burgruine Schaumburg ist schon das Ziel der Wanderung auszumachen: Schalkau. Dem Wegweiser folgend gelangen wir wenig später am Bahnhof an und können entscheiden, ob wir direkt mit dem ÖPNV zurück fahren oder lieber doch noch einen warmen Kaffee im naheliegenden Gasthaus zu uns nehmen. Denn letzteres lohnt den Besuch genau so wie die Burgruine. Ein kleines verstecktes Highlight – ein Kleinod thüringischer Geschichte.

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Geschrieben von

Sven Becker

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