Herbst auf der Bastei

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Immer wenn ich in meiner Heimat bin, versuche ich wenigstens einen Tag in der Sächsischen Schweiz zu verbringen. Das gelingt nicht immer. Aber wenn, dann lohnt es sich stets. Kein anderes Gebirge Europas hat mich bisher so zu faszinieren gewusst, wie dieses. Das kann zum Einen daran liegen, dass es mir seit der Kindheit vertraut ist, zum Anderen, dass mir noch nicht alle europäischen Gebirge bekannt sind. So wird ein Kurztrip nach Dresden zu einem unvergleichlichen Vergnügen. Denn im Herbst zeigt sich das Elbsandsteingebirge von besonderer Schönheit.

Wenn ich in meiner Heimat bin, versuche ich wenigstens einen Tag in der Sächsischen Schweiz zu verbringen. Das gelingt nicht immer, aber wenn, dann lohnt es sich stets. Kein anderes Gebirge Europas hat mich bisher so zu faszinieren gewusst, wie dieses. Das kann zum Einen daran liegen, dass es mir seit der Kindheit vertraut ist, zum Anderen, dass mir ja noch nicht alle europäischen Gebirge bekannt sind. So kann ein Kurztrip nach Dresden zu einem unvergleichlichen Vergnügen werden. Denn im Herbst zeigt sich das Elbsandsteingebirge von ganz besonderer Schönheit.

Die über die Felsen laufende Basteibrücke. Im Hintergrund der Lilienstein.
Die über die Felsen laufende Basteibrücke. Im Hintergrund der Lilienstein.

Hinkommen – Zur Bastei-Aussicht

Mit meiner werten Frau Mama, die dankbar über jeden Tag an frischer Luft und voller Erlebnis ist, mache ich mich auf, um eines der Ziele zu erwandern, das im Sommer von unzähligen Touristen förmlich überrannt wird. Dagegen ist eine prall gefüllte Disco in Berlin noch als leer zu bezeichnen! Nein wirklich. Im Hochsommer sollte man dieses Ziel meiden. Jedoch nach der Schneeschmelze und im Spätherbst lädt die Aussicht von der Bastei, die nach ihr benannte Brücke und die nahe gelegene Felsenburg regelrecht zum Wandern ein. Entweder vom Kurort Rathen oder von der Stadt Wehlen aus ist es ein vergnügliches Abenteuer sich auf die knapp 200 Meter hohen Felsen zu begeben.

Wem dies zu anstrengend ist: ein öffentlicher Bus fährt auch hin.

 
Der Weg ist kurz und knackig, zumindest wenn man von Rathen kommt. Schließlich wollen knapp 200 Höhenmeter überwunden werden. Doch nimmt man diese – zugegebenermaßen kurzzeitige – Strapaze auf sich, wird der Wanderer nicht nur mit einer tollen Aussicht belohnt, sondern mit einer Einzigartigen. Bei ungetrübten Wetterverhältnissen zeigt sich der „Indian Summer“ nämlich auch im Elbsandsteingebirge. Da ist selbst meine Höhenangst für einen kurzen Moment verschwunden. Nein, im Grunde habe ich gar keine Angst vor der Höhe. Nur Respekt vor der Tiefe. Und die führt auf der einen Seite schnurstracks in die strömenden Wasser der Elbe, auf der anderen in den Wehlgrund mit seiner Felsenbühne.

Auch im Herbst wird noch geklettert. Eine besondere Rast auf dem Plateau des Hoffkluns.
Auch im Herbst wird noch geklettert. Eine besondere Rast auf dem Plateau des Hoffkluns.

Auf der Bastei

Das leise Rauschen der vorüber fahrenden Züge auf der anderen Elbseite, ein letztes Zwitschern der Vögel und das leise Gemurmel der Mitwanderer sind die einzigen Geräusche in dieser perfekten Idylle. Bei der Betrachtung der Umgebung, der sanft fließenden Wälder und daraus auftürmenden Felsen, beginne ich zu verstehen, warum es Maler wie Ludwig Richter oder Caspar David Friedrich immer wieder in dieses Gebirge zog. Es verzaubert einfach. Und hält gefangen. Nachhaltig.

Nicht die Rheinschleife, die Elbschleife direkt vor der Bastei
Nicht die Rheinschleife, die Elbschleife direkt vor der Bastei

Und wenn wir schon mal da sind, wollen wir auch noch die nahe gelegene Felsenburg Neurathen betreten. Seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wird diese kontinuierlich erforscht und legt heute ein eindrucksvolles Zeugnis frühzeitlicher Besiedelung ab. Wie man allerdings da oben Leben konnte, hat sich mir noch nicht ganz erschlossen. Wenn der Einkäufer mal etwas von der Besorgungsliste vergessen hatte, musste er nämlich wieder bis nach Rathen von den Felsen absteigen. Diesen Weg lediglich für ein Stück Butter wäre nicht nur eine ganz schöne Herausforderung sondern auf jeden Fall ein besseres Gedächtnis wert.

Die Felsenburg Neurathen – heute eine begehbare Ruine – wurde 1289 erstmals urkundlich erwähnt und diente vornehmlich der Grenzsicherung.
Die Felsenburg Neurathen – heute eine begehbare Ruine – wurde 1289 erstmals urkundlich erwähnt und diente vornehmlich der Grenzsicherung.

Zum Abschied genießen wir dann noch den Sonnenuntergang von dem ich noch immer verzaubert bin. Als vermutlich letzte Wanderung für dieses Jahr hat sich die Bastei einen ganz besonderen Platz in meinen Erinnerungen erobert. Selten war ich so spät im Jahr noch unterwegs. Wobei der diesjährige langanhaltende Herbst natürlich auch seinen Teil dazu beigetragen hat.

Daher meine heutige Empfehlung: geht auf die Bastei.

Restaurant und Imbiss laden bis weit in den Abend zum Verweilen ein.
Restaurant und Imbiss laden bis weit in den Abend zum Verweilen ein.

Welche hohe Empfindungen gießt das in die Seele! Lange steht man, ohne mit sich fertig zu werden (…) schwer reißt man sich von dieser Stelle fort.

Carl Heinrich Nicolai (1739–1823), Schriftsteller und Lehrer

Geschrieben von

Sven Becker

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Mein guter Freund Royko war noch nie in der Sächsischen Schweiz. „Na das lässt sich ändern“ sagte ich. Am Ende ging es ihm wie allen anderen auch: er war verliebt. „In die Postkartenidylle des Elbsandsteins“ sagt er, der bisher nur in den Alpen und an der Amalfiküste unterwegs war und nun eines der „mystischsten und schönsten Gebirge Deutschlands“ kennengelernt hat. Das wiederum sagt die GEO.

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