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Kelten, Slawen, Schweden und mittendrin die Preußen. Wer auf deutschen Wanderpfaden unterwegs ist, wandert auch immer durch einen Teil nordeuropäischer Geschichte. So auch diesmal, als es mich erneut in die Prignitz verschlägt, um weiter in die Legenden und Mythen der brandenburgischen Region einzutauchen. Die Reise führt mich diesmal von Bad Wilsnack nach Tangermünde, immer entlang des mittelalterlichen Jakobsweges. 80 Kilometer deutsche Geschichte.

Bad Wilsnack – Quitzöbel – Havelberg (23km)

Bad Wilsnack, Ziel der letztjährigen Wanderung auf dem Wunderblutweg, ist nun heute Ausgangspunkt meiner Wanderung auf dem Jakobsweg. Blauer Himmel, grüne Wiesen und ein besinnliches, ja fast verschlafenes Städtchen empfangen mich und wenn ich bedenke, dass hier vor gut 700 Jahren wahrscheinlich nicht nur der sprichwörtliche Bär steppte, ist das Bevölkerungsaufkommen heutzutage doch recht verhalten. Um nicht zu sagen ruhig bis wahrscheinlich gar nicht vorhanden. Das kann aber auch daran liegen, dass heute Sonntag ist. Und so schnüre ich meinen Rucksack etwas fester und starte auf meine dreitägige Wanderung von der Prignitz in die Altmark.

Über Legde, Lennewitz und Quitzöbel geht es in das Mündungsgebiet der Havel in die Elbe. Die Landschaft verändert sich merklich, weg vom kanalisierten Ackerbau hin zu Weide- und Auenlandschaften mit erhöhtem Wasseranteil. Die gotische Backsteinkirche von Quitzöbel, ein kleines Highlight auf dem Weg, wurde im 15. Jahrhundert erbaut, 1876 erweitert und umgebaut. Nur am Ostgiebel kann man noch dank seiner Zwillingsblenden den ursprünglichen Zustand erkennen.

Der Weg ist dank der gleichzeitigen Nutzung als Elbe-Radweg zwar sehr gut ausgeschildert, läuft sich jedoch ungemütlich. Immer auf Asphalt tut den Füßen nicht gut, sie beginnen nach einigen Kilometern zu schmerzen. Doch, wie an alles im Leben, auch daran werde ich mich noch gewöhnen.

Havelberg an der Elbe. Von spätromanischer bis moderner Architektur war alles vorhanden. Auch ostdeutsche…

Vorbei an den drei Häusern von Neu Werben (wirklich sehr idyllisch gelegen sofern man Fuchs und Hase gern Gute-Nacht-Sagen sieht) gelange ich nach weiteren schier endlosen Kilometern in Havelberg an. Und diese Stadt ist einen Ausflug allemal wert. Allein der Dom ist ein echtes romanisches Meisterwerk und bildet mit dem angrenzenden Kloster aus dem 12. Jahrhundert eine kleine Sensation. So ist nicht nur der Kreuzgang des Ensembles original erhalten, sondern auf einer der Darstellungen im Innern auch erstmals eine Abbildung des Heiligen Jakobs zu finden. Reliefs der Passion Christi, die beiden Sandsteinleuchter (um 1279) und das Chorgestühl aus dem 13. Jh. vermitteln einen genauso authentischen Eindruck, wie die mächtigen Triumphkreuze aus ebendieser Zeit und – last but not least, nicht zu vergessen – die noch original erhaltenen Glasmalereien aus der Zeit um 1330. Wie gesagt, sehenswert und alles in allem eine kleine Sensation.

Für den Rest des Abends verweile ich in den heiligen Mauern, bevor mich ein aufziehendes Gewitter in eine nahe gelegene Pizzeria fliehen lässt. Die allerdings ist nicht zu empfehlen. Selten so eine schlechte Pizza gegessen. Aber auch das gehört zur Erfahrung dazu: Der optische Eindruck trügt bisweilen.

 

Geschrieben von

Sven Becker

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